Engpass : Kiel will neue Fehmarnsund-Querung

Eine Brücke nur zur Zierde? Die Querung über den Fehmarnsund könnte nach dem Bau des Belt-Tunnels zum Nadelöhr werden. Der Denkmalschutz verhindert einen Ausbau. Foto: dpa
Eine Brücke nur zur Zierde? Die Querung über den Fehmarnsund könnte nach dem Bau des Belt-Tunnels zum Nadelöhr werden. Der Denkmalschutz verhindert einen Ausbau. Foto: dpa

Die Brücke nach Fehmarn wird zum Nadelöhr, wenn die Fehmarnbelt-Querung fertig ist. Das Land macht sein Wahrzeichen dann womöglich zum reinen Baudenkmal.

shz.de von
13. September 2012, 01:50 Uhr

Fehmarn/Kiel | Sie ist ein Wahrzeichen Schleswig-Holsteins - doch bald könnte das der einzige Zweck sein, den sie noch erfüllt: Die Fehmarnsundbrücke droht zum reinen Baudenkmal zu werden, über das keine Autos und keine Züge mehr fahren. Statt dessen würde der Verkehr künftig über eine neue zweite Brücke oder durch einen Tunnel fließen. "Es klingt erst mal ziemlich verrückt, aber möglicherweise kommt es so", sagte der schleswig-holsteinische Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) im Gespräch mit dem sh:z.
Gleich zwei Entwicklungen könnten dazu führen, dass das markante Bauwerk demnächst zur "Soda-Brücke" wird, wie der Volksmund Brücken nennt, die "nur so da" stehen. Die erste: Wenn der von Dänemark gebaute Fehmarnbelt-Tunnel 2021 fertig ist, wird die Sundbrücke zum Nadelöhr. Denn während die Vogelfluglinie zwischen Hamburg und Kopenhagen dann fast durchgängig vier Autospuren und ab 2027 auch zwei Gleise aufweisen wird, führen über den Fehmarnsund nur zwei Spuren und ein Gleis. Daran darf auch nichts verändert werden, da die Brücke unter Denkmalschutz steht.
Häufige Sperrung wegen Sturms
Erschwerend kommt hinzu, dass die Sundbrücke oft wegen Sturms für Lastwagen und Wohnwagen-Gespanne komplett gesperrt werden muss. Für Minister Meyer ist daher klar: "Wir brauchen eine neue Querung am Fehmarnsund." Er werde das Projekt für den Bundesverkehrswegeplan ab 2015 anmelden. Auch sein Bundeskollege Peter Ramsauer (CSU) halte das inzwischen für sinnvoll, sagte Meyer nach einem Gespräch mit Ramsauer.
Nun bedeutet ein Neubau nicht zwangsläufig, dass die alte Brücke nicht mehr befahren wird. Denkbar sind auch ihre Weiternutzung und der Bau einer weiteren zweispurigen Brücke mit einem zusätzlichen Gleis direkt daneben. Allerdings gilt es dabei eine zweite problematische Entwicklung für die Sundbrücke zu beachten: Angesichts des künftig wachsenden Verkehrs auf der Vogelfluglinie mit bis zu 80 Güterzügen am Tag ist schlicht fraglich, wie lange die fast 50 Jahre alte Brücke noch hält. Die Bahn hat in diesem Sommer Belastungstests gemacht, über deren Ergebnis sie am Dienstag zwar noch keine Auskunft geben konnte. Doch Minister Meyer warnt schon mal: "Wenn sich da ernsthafte Probleme ergeben, dann muss man generell neu nachdenken - dann braucht man eine Brücke oder einen Tunnel mit vier Spuren für die Straße und mit zwei Schienensträngen."
Käme es so, müsste Ramsauer nach dem geplanten A20-Elbtunnel ein zweites kostspieliges Querungsbauwerk in Schleswig-Holstein bezahlen. Auf "mindestens 300 Millionen Euro" schätzt Meyer die Investitionen für eine neue Brücke. Und ein Tunnel werde noch teurer.

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