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Rückschlag für Lehrerausbildung : Keine Fördermittel vom Bund: Unis in SH lassen sich Millionen entgehen

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Schleswig-Holstein erhält überraschend kein Geld aus dem millionenschweren Förderprogramm für bessere Lehrerbildung. Offenbar waren die Anträge der Universitäten in Kiel, Flensburg und Lübeck nicht ausreichend.

Kiel | Schwere Schlappe für Schleswig-Holsteins Hochschulen: Die Universitäten Kiel und Flensburg sowie die Musikhochschule Lübeck sind im Wettbewerb um Fördermittel des Bundes für eine bessere Ausbildung von Lehrern überraschend gescheitert. Sie erhalten nun erst mal kein Geld aus dem 500-Millionen-Euro-Programm von Bundesbildungsministerin Johanna Wanka. „Die Anträge aus Schleswig-Holstein haben uns nicht voll überzeugt“, sagte am Mittwoch in Berlin der Jury-Vorsitzende und Wissenschaftsrats-Chef Manfred Prenzel, der früher selbst Pädagogik-Professor in Kiel war.

CDU-Politikerin Wanka will mit der „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ das Lehramtsstudium modernisieren. „Wir wollen, dass neue Dinge erprobt werden können“, sagte Wanka am Mittwoch bei der Verkündung der Wettbewerbsergebnisse. Dabei gehe es nicht zuletzt darum, künftige Pädagogen besser auf „große Aufgaben“ wie die Integration von Migranten oder die Inklusion von behinderten Schülern in den Regelunterricht vorzubereiten. Von 80 eingereichten Konzepten fanden in der jetzt beendeten ersten Runde des Wettbewerbs 19 den Segen der Jury. Neun Länder kommen zum Zuge – Bayern und Hessen gleich mit je vier Unis.

Dass Schleswig-Holstein leer ausgeht, ist umso ärgerlicher, als Wanka den Ländern in Aussicht gestellt hatte, dass alle profitieren könnten – gemäß einer Quote, die für Schleswig-Holstein knapp drei Prozent beträgt. Voraussetzung für die Förderung sei allerdings, dass die Unis auch gute Anträge stellen. Das war in Kiel, Flensburg und Lübeck aber nun nicht der Fall. Daher fließen von den ersten 100 Millionen Euro aus Wankas Programm nicht die zu erwartenden drei Millionen in den Norden, sondern null.

Dabei hatten die Unis im Land insgesamt sogar 8,4 Millionen Euro beantragt. Mit dem Geld wollten sie etwa die Lehrerausbildung praxisnäher machen. Flensburg plant zudem eine Internationalisierung. Kiel will die einzelnen Fächer besser mit der didaktischen Ausbildung vernetzen. Das Konzept dafür überzeugt die Jury allerdings nicht: In Kiel wie in Flensburg sei die Verbindung zwischen Fachwissenschaften und Fachdidaktik „noch ausbaufähig“, sagte Prenzel.

Der Flensburger Uni-Vizepräsident Jürgen Schwier räumte „Enttäuschung“ über das Scheitern ein, kündigte aber an: „Wir werden die Kritik gern im Antrag zur zweiten Bewilligungsrunde aufnehmen.“ Denn im Juni werden noch mal bis zu 125 Millionen Euro vergeben. 2018 folgt dann erst die letzte Förderphase des Programms mit sogar 275 Millionen Euro. Die Kieler Uni-Vizepräsidentin Ilka Parchmann bleibt daher ebenfalls optimistisch: „Wir werden den Antrag nachbessern – und dann sicher in der zweiten Runde erfolgreich sein.“

Das hofft auch Landeswissenschaftsministerin Kristin Alheit (SPD). „Wir sind von den Qualitäten der Hochschulen im Land überzeugt“, sagte ihr Staatssekretär Rolf Fischer. „Jetzt gilt es, diese Qualitäten in neuen Anträgen noch deutlicher zu machen.“ CDU-Hochschulexperte Volker Dornquast kritisierte dagegen die Reform des Lehramtsstudiums durch die Landesregierung: „Die Entscheidung der Jury legt nahe, dass sie den Universitäten nicht geholfen hat.“

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erstellt am 05.Mär.2015 | 06:30 Uhr

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