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Urlaubskorridor : Keine Chance für lange Ferienphase

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Tourismusbranche ist empört: Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz erteilt der Ausdehnung des Urlaubskorridors eine Absage.

shz.de von
erstellt am 08.Mai.2014 | 20:03 Uhr

Kiel | Eigentlich war alles schon in trockenen Tüchern: Im März hatten sich die Ministerpräsidenten darauf geeinigt, den Korridor für die Schulferien im Sommer künftig auf 90 Tage auszudehnen. Sie waren damit den Forderungen der Tourismusbranche entgegengekommen. Doch nun schießt die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK) quer. Pädagogische und schulorganisatorische Gründe müssten Vorrang vor touristischen Wünschen haben, betont KMK-Chefin Sylvia Löhrmann, zugleich Schulministerin in Nordrhein-Westfalen. Sie pocht auf die Entscheidungshoheit der Kultusminister in dem seit Jahren schwelenden Streit.

Es stehe außer Frage, „dass allein die Kultusministerkonferenz über die Sommerferien entscheidet“. Spielraum für die volle Ausnutzung des 90-Tage-Korridors, wie ihn die Wirtschaft verlangt, sieht Löhrmann kaum. „Tatsächlich sind bereits aus pädagogischen Gründen die Möglichkeiten ausgeschöpft, den Zeitraum zu verändern“, betont sie und bringt damit den Tourismusverband Schleswig-Holstein (TVSH) auf die Palme. „Dies ist ein Schlag ins Gesicht der Tourismuswirtschaft“, erklärte am Donnerstag TVSH-Chef Jörn Klimant. Sein Verband fordert einen Mindestkorridor von 90 Tagen ab 2018 , ansonsten werde die verkürzte Feriensaison zu Einbußen in den Urlaubsregionen, Staus auf den Autobahnen und Preiserhöhungen in der Hochsaison führen. „Die Äußerung Löhrmanns zeugt von einer nicht vorhandenen Dialogbereitschaft und einer klaren Vorfestlegung. Dies ist nicht hinzunehmen, da Einschränkungen des Ferienkorridors massive negative Auswirkungen für Betriebe und Familien haben“, so Klimant.

Die in diesem Jahr auf 71 Tage verkürzte Sommerferienzeit sorgt schon jetzt für große Unruhe in den Ferienorten an Nord- und Ostsee. Sie startet am 7. Juli mit Nordrhein-Westfalen und endet am 15. September mit Bayern. Noch nie war die Überschneidung der Ferien in den einzelnen Bundesländern so eng. Der Hotel- und Gaststättenverband hatte der zuständigen Kultusministerkonferenz kürzlich vorgeworfen, „offenbar keine Ahnung von wirtschaftlichen Zusammenhängen“ zu haben. Auch die 13 Industrie- und Handelskammern im Norden hatten eine „wirtschaftsfreundlichere Regelung“ angemahnt.

Während die Wirtschaftsminister und mit ihnen die Ministerpräsidenten freie Autobahnen und bezahlbare Ferienquartiere im Blick haben, sorgen sich die Kultusminister vorrangig um das Wohl der Schüler und haben eher pädagogische Ziele. Ihr Argument: Zentrale Abiturprüfungen setzen vergleichbare Unterrichtszeiträume voraus. Die Unterrichtsphasen zwischen den Ferienblöcken sollten mindestens sechs Wochen umfassen und Schulhalbjahre in etwa gleich lang sein.

Das sieht auch der Vorsitzende des Philologenverbandes Helmut Siegmon so. „Die Unterrichtszeiten sind schon jetzt völlig zerfleddert. Die Schulen brauchen einen klaren Rhythmus“, sagte er am Donnerstag in Kiel. Schüler müssten die Chance bekommen, sich auf den Lernstoff zu konzentrieren und Schule als eine verlässliche Veranstaltung zu begreifen, sonst verändere sich die Haltung der Lernenden und auch der Lehrenden. „Die KMK-Präsidentin hat mit ihrem Standpunkt völlig Recht“, betont Siegmon. Wie Löhrmann räumt er deshalb den pädagogischen Bedürfnissen absolute Priorität ein, „was allerdings nicht ausschließt, dass man versucht, auch die wirtschaftlichen Belange in diesem Rahmen zu berücksichtigen“.

Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Waltraud Wende (parteilos) teilt hingegen nicht Löhrmanns Meinung und bekennt sich eindeutig zur 90-Tage-Lösung. „Wir sind ein Tourismusland“, begründet sie ihren Sonderweg.

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