Nordseeschule St. Peter-Ording : Kein Schulbesuch für Chinesen

Schleswig-Holstein gibt sich gern weltoffen. Doch drei junge Chinesen dürften da einen anderen Eindruck gewonnen haben. Sie sitzen auf gepackten Koffern und warten - weil ihnen das Visum fehlt.

Avatar_shz von
02. August 2012, 11:21 Uhr

St. Peter-Ording | Die Jungen (16 und 17) sollen von Montag an die Nordseeschule in St. Peter-Ording besuchen, in ein paar Jahren dort Abitur machen, im Nordee-Internat leben. Doch ihnen fehlt das Visum für die Einreise. Aufgrund eines Erlasses des Justizministeriums vom 5. Juli wurde es nicht genehmigt. Begründung: Die öffentliche Schule biete keinen internationalen Abschluss an. Der Erlass ergänzt Paragraf 16, Absatz 5 Bundesaufenthaltsgesetz.
Dabei habe es im Frühjahr noch gut ausgesehen, so die beiden Direktoren des Internats. Sie hatten im Justiz- und im Bildungsministerium vorgesprochen. "Der damalige Bildungsminister Dr. Ekkehard Klug hatte gesagt, dass das Visum kein Thema sei", erinnert sich Claus Weigandt. Doch dann schickte das Justizministerium am 6. Juli den Erlass an das Internat. Weigandt und sein Kollege Rüdiger Hoff waren erstaunt. "In Niedersachsen, Hessen, Bayern und Baden-Württemberg dürfen öffentliche Schulen Chinesen aufnehmen", sagt Hoff. In ihren Augen hat die Nordseeschule sehr wohl internationalen Rang - als Europaschule und mit bilingualem Unterricht.
"Ich bin erstaunt, dass die Justizministerin so etwas unterschreibt"
Die beiden haben sich nun an den FDP-Bundestagsabgeordneten Jürgen Koppelin gewandt. Er ist mit dem Internat vertraut. Seine Tochter verbrachte dort vier Jahre, seine Frau saß im Kuratorium. "Ich bin mehr als erstaunt, dass Justizministerin Anke Spoorendonk so etwas unterschreibt", sagte Koppelin dem sh:z. Er hat sich mit dem Auswärtigen Amt in Verbindung gesetzt. Dort werde nun intensiv nach einer positiven Lösung der Visafrage gesucht. "Zudem wird die für Kultur zuständige Staatsministerin im Auswärtigen Amt die Justizministerin um Aufklärung bitten."
Nein, es sei im Frühjahr keine positive Entscheidung signalisiert worden, erklären dagegen Justiz- und Bildungsministerium. Vielmehr sei auf schulrechtliche und fachliche Probleme hingewiesen worden. Ferner stelle der Erlass keine Änderung der Verfahrenspraxis dar. Weiter heißt es, dass Schleswig-Holstein bundesrechtliche Vorgaben anwende. Demnach ist im Grundsatz keine Aufenthaltserlaubnis zum allgemeinen Schulbesuch vorgesehen. Ausnahmen: Die Schule bietet einen internationalen Abschluss an oder Schüleraustausch. Hoff und Wiegandt wollen weiter kämpfen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen