Kritik an Online-Portalen : Karin Prien hält Lehrer-Pranger der AfD für „perfide und durchschaubar“

Das Portal der AfD Bürgerschaftsfraktion hat massive Kritik ausgelöst.

Das Portal der AfD Bürgerschaftsfraktion hat massive Kritik ausgelöst.

Die Unterstellung einer Gesinnungspädagogik an den Schulen sei durch nichts gerechtfertigt, sagt die Bildungsministerin.

shz.de von
10. Oktober 2018, 15:20 Uhr

Kiel | Der massiven Kritik an Online-Portalen der AfD, auf denen Schüler politische Äußerungen von Lehrern melden können, hat sich Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien angeschlossen. „Die AfD-Plattform ist die perfide und durchschaubare Unterstellung einer Gesinnungspädagogik an den Schulen, die durch nichts gerechtfertigt ist“, sagte die CDU-Politikerin am Mittwoch. „Sie fördert völlig verantwortungslos Denunziantentum und gefährdet den Schulfrieden.“

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„Selbstverständlich dürfen sich Lehrkräfte gegenüber Positionen einzelner Parteien nicht einseitig verhalten“, sagte Prien. „Unsere Lehrkräfte stehen für die Verteidigung der freiheitlich demokratischen Grundordnung und für Meinungsvielfalt.“

Die AfD im Kieler Landtag hat noch keinen Beschluss gefasst, ob sie auch ein Meldeportal einrichten will. Auf der Seite „Neutrale Schulen Hamburg“, die im September online ging, können Nutzer der dortigen AfD-Fraktion melden, wenn Lehrer ihrer Meinung nach das Neutralitätsgebot verletzt haben. Das macht aus Sicht des schleswig-holsteinischen AfD-Bildungspolitikers Frank Brodehl darauf aufmerksam, dass das Neutralitätsgebot nicht immer gewahrt werde.

„Dieses Anliegen begrüßen wir, da auch uns in Schleswig-Holstein bereits Fälle bekannt wurden, in denen parteipolitisch eingefärbter Unterricht stattgefunden hat.“ Ein Portal halte er in jenen Fällen für sinnvoll, in denen Gespräche mit Klassenlehrer, Vertrauenslehrer oder Schulleitung zuvor erfolglos geblieben waren.

Laut Zeitungen der Funke-Mediengruppe plant die AfD in einer ganzen Reihe weiterer Länder, eine entsprechende Seite zu schalten. Die AfD im Bundestag verteidigte das. „Das hat mit Denunzierung gar nichts zu tun“, sagte der parlamentarische Geschäftsführer Bernd Baumann.

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