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Geiselnahme im Dezember : JVA Lübeck: Gewaltexzess gegen Geiselnehmer?

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Im Fall der Geiselnahme in der JVA Lübeck gibt es offenbar eine neue Wendung: Ein Wärter soll einen überwältigten Häftling zusammengetreten haben.

shz.de von
erstellt am 12.Feb.2015 | 19:44 Uhr

Lübeck | Hat es bei der Geiselnahme in der Justizvollzugsanstalt Lübeck an Heiligabend einen Gewaltexzess gegen den Rädelsführer gegeben? Als dieser bereits fixiert am Boden lag, soll auf ihn eingetreten worden sein. Die Staatsanwaltschaft Lübeck ermittelt gegen einen Vollzugsbeamten – wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt. Das hat der Sprecher der Behörde, Ralf Peter Anders, am Donnerstag auf Anfrage bestätigt.

Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft bereits ein Verfahren gegen die inzwischen suspendierte Anstaltsleiterin, Agnete Mauruschat, eingeleitet. Dabei geht es um den Verdacht der Strafvereitelung im Amt. Mauruschat, die ins Justizministerium abgeordnet worden ist, hatte nach der Geiselnahme angeordnet, die Polizei nicht zu verständigen.

Über die neue Wendung in dem Fall, der seit Wochen für Schlagzeilen sorgt, soll Justizministerin Anke Spoorendonk (SSW) den Innen- und Rechtsausschuss in der vergangenen Woche unterrichtet haben. Details nannte das Ministerium mit dem Hinweis auf die Vertraulichkeit der Beratungen nicht.

Dafür spricht der Lübecker Anwalt, der den überwältigten Geiselnehmer vertritt. Er sagt: „Als mein Mandant fixiert am Boden lag, wurde auf ihn eingetreten.“ Auch ein Häftling wurde Zeuge der Situation am Heiligen Abend. Dennis S. schildert unserer Zeitung: „Nachdem der Täter überwältigt war, wurde er so richtig zusammengeschlagen – bis er sich nicht mehr bewegte.“ Viel Blut soll zu sehen gewesen sein.

Spoorendonk hatte mehrfach das professionelle Vorgehen der Vollzugsbeamten gelobt. Nach weniger als zehn Minuten sei die Lage geklärt und eine Alarmierung der Polizei daher nicht mehr erforderlich gewesen. Über die fünf Beamten, die beteiligt waren, sagte die Ministerin: „Sie haben in vorbildlicher Weise ihren Dienst verrichtet, besonnen und mutig reagiert.“ Das war offenbar nicht die ganze Wahrheit. Gestern steuerte Spoorendonk nach: „Die Staatsanwaltschaft wird den Vorwurf klären. Wenn die Ermittlungen abgeschlossen sind, werden gegebenenfalls Konsequenzen gezogen.“

Ein neues Licht werfen die Ermittlungen gegen den Vollzugsbediensteten möglicherweise auch auf die Entscheidung der Anstaltsleitung, die Polizei nicht zu rufen. Wollte Agnete Mauruschat ihre Mitarbeiter schützen?

FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki sagt zu den neuen Details: „So langsam wird der Bock wirklich fett, was die Informationspolitik der Ministerin und das Verhalten der Anstaltsleitung angeht.“ Nach offiziell unbestätigten Aussagen sollen es übrigens nicht allein Justizbeamte gewesen sein, die die Lage klärten. Auch ein Häftling soll an der Überwältigung der Geiselnehmer beteiligt gewesen sein.

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