Distanz zur Kanzlerin : Junge Union in SH: „Islam gehört nicht zu Deutschland“

Freitags-Gebet in der Moschee in Rendsburg.
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Freitags-Gebet in der Moschee in Rendsburg.

Die Jugendorganisation der Union stellt sich gegen die Aussagen von Merkel. Kritik gibt es nicht nur von den Jusos.

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19. Januar 2015, 18:28 Uhr

Kie/Bad Bramstedt | Die Junge Union in Schleswig-Holstein hat eine fehlende Diskussion in der Union über Zuwanderung in den vergangenen Jahren beklagt. „Es reicht nicht, Zuwanderung gut zu finden und zu akzeptieren, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist“, teilte der JU-Landesvorsitzende Tobias Loose am Montag in Kiel mit. Für eine gezielte Zuwanderung müssten auch die Rahmenbedingungen geschaffen werden.

„Abgesehen vom Spitzensport und der Spitzenforschung gibt es keine Zuwanderung, die sich an den Kriterien Qualifikation und Eignung der Zuwanderer orientiert. Dies muss sich ändern“, so Loose weiter. Die JU im Norden kündigte an, sich in den kommenden Wochen intensiv mit den Themen Zuwanderung, Asyl und Flucht auseinanderzusetzen.

Bei einer Veranstaltung des JU-Landesverbands am vergangenen Wochenende ging Loose zudem auf Distanz zu den Islam-Äußerungen von CDU-Parteichefin und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Merkel hatte vorige Woche in Berlin betont, dass der Islam ein Teil Deutschlands sei. Sie unterstützte damit ausdrücklich die Meinung, die 2010 der damalige Bundespräsident Christian Wulff geäußert hatte.

Loose, der auch stellvertretender Landesparteichef ist, sagte hingegen laut Mitteilung von Montag: „Der Islam gehört nicht zu Deutschland! Unser Land fußt auf einer christlich-jüdischen Geschichte und dies sollten wir auch nicht verklären. Eindeutig gilt aber auch, dass Menschen islamischen Glaubens zu Deutschland gehören, Teil unserer Gesellschaft sind und als Mitbürger willkommen sind.“

Scharfe Kritik an Looses Ausführungen kam von den Jusos und der Grünen Jugend. Mit der angekündigten Debatte zum Thema Zuwanderung springe die Junge Union „auf den antimuslimischen Zug auf, dessen Gewaltigkeit wir seit Wochen in Dresden verfolgen können“, erklärte die stellvertretende Juso-Landesvorsitzende Delara Burkhardt.

Der Sprecher der Grünen Jugend Schleswig-Holstein, Lasse Petersdotter, sagte laut Mitteilung: „Ich befürchte, dass die parteiinterne Debatte auf die unionstypischen A's hinauslaufen wird: Abschottung, Abschiebung und Ablehnung.“

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