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Daniel Günther : „Jetzt kann sich Torsten Albig warm anziehen“

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Liebing folgt Böge, Günther beerbt Callsen. Die Nord-CDU hat die Weichen für einen personellen Neuanfang an der Spitze von Landespartei und Landtagsfraktion gestellt.

shz.de von
erstellt am 05.Okt.2014 | 18:16 Uhr

Kiel | Mit dem Hochschulexperten Daniel Günther als neuem Fraktionschef und dem Bundestagsabgeordneten Ingbert Liebing als künftigem Landesvorsitzenden will die CDU in Schleswig-Holstein wieder durchstarten. Die Fraktion wählte am Sonntag in einer Sondersitzung den 41 Jahre alten Günther zum Nachfolger von Johannes Callsen (48), der am Sonnabend zurückgetreten war. Günther bekam 16 von 21 Stimmen. Vier Abgeordnete votierten gegen ihn, einer enthielt sich.

„Jetzt kann sich Torsten Albig warm anziehen“, sagte Günther nach gut dreistündiger Sitzung in Richtung des Ministerpräsidenten. Er habe schon gezeigt, dass ihm die Abteilung Attacke liege. „Wir sind gut aufgestellt“, sagte Günther. Die CDU wolle Schleswig-Holstein möglichst schnell wieder regieren. „Diese Regierung ist richtig aus dem Tritt gekommen.“ Anspruch auf die Spitzenkandidatur der CDU zur nächsten Landtagswahl erhob Günther nicht.

Neuer Landesvorsitzender der Nord-CDU wird aller Wahrscheinlichkeit nach der bisherige Parteivize Liebing (51). Er wurde am Sonnabend im geschäftsführenden Landesvorstand und von Kreisvorsitzenden vorgeschlagen. Liebing bekundete darauf offiziell seine Bereitschaft, Nachfolger Reimer Böges (62) zu werden. Der Europaabgeordnete hatte am Donnerstag seinen Rückzug verkündet. Er will beim Parteitag am 15. November in Neumünster aus gesundheitlichen Gründen nicht zur Wiederwahl antreten.

Mit dem neuen Spitzenpersonal will sich die CDU wieder stärker als Alternative zur ebenfalls schwächelnden Koalition von Ministerpräsident Albig aus SPD, Grünen und SSW profilieren. Die CDU gehe absolut gestärkt aus den unruhigen letzten Tagen hervor, sagte der neue Fraktionschef Günther. „Alles ist gut“, meinte Fraktionsvize Katja Rathje-Hoffmann. Die Wahl eines Nachfolgers für Callsen war wichtig, weil der Landtag schon am Mittwoch zu seiner nächsten Sitzung zusammenkommt. Günther hatte keinen Gegenkandidaten.

Callsen hatte den Posten seit drei Jahren inne. Er begründete seinen Rücktritt damit, er wolle dazu beitragen, dass sich die Nord-CDU insgesamt rechtzeitig vor der nächsten Landtagswahl neu aufstellen kann. Der Urnengang steht regulär 2017 an.

Nach einer Tagung von geschäftsführendem Landesvorstand und CDU-Kreisvorsitzenden in Rohlstorf im Kreis Segeberg zeichnete sich am Sonnabend ab, dass die Nachfolge Böges an der Spitze der Landespartei auf Liebing hinausläuft. Böge lobte Liebings Erfahrungen auf diversen Ebenen. Mit seinem Werdegang sei er prädestiniert für den Landesvorsitz. Liebing sitzt seit 2005 im Bundestag und ist seit einem Jahr kommunalpolitischer Sprecher der Unionsfraktion. Die Kreisvorsitzenden hätten Liebing in großer Einmütigkeit unterstützt, sagte deren Sprecher, der Bundestagsabgeordnete Gero Storjohann. Eine Entscheidung sei aber noch nicht getroffen, betonte Liebing.

Weitere Bewerbungen seien möglich. „Das ist ein offenes Verfahren“, bestätigte Böge. Am kommenden Freitag wird vom erweiterten Landesvorstand ein formaler Wahlvorschlag erwartet.

In einer Zeit, da die Landesregierung taumele, müsse die CDU volle Leistungsfähigkeit zeigen, sagte Liebing. Der gebürtige Flensburger hat auch im Landtag Erfahrungen gesammelt: Er arbeitete in den 90-er Jahren als Referent für die Fraktion und für den damaligen Fraktionschef Ottfried Hennig.

Die Nord-CDU mit ihren knapp 22.000 Mitgliedern vollzieht an der Spitze schon zum vierten Mal seit 2010 einen Wechsel: Damals übergab Peter Harry Carstensen den Staffelstab an Christian von Boetticher, der 2011 wegen einer Teenager-Affäre zurücktreten musste. Boettichers Nachfolger, Ex-Wirtschaftsminister Jost de Jager, gab im März 2013 aus Frust über mangelnden Rückhalt in der Partei auf. Ihm folgte Böge, der jetzt Herproblemen Tribut zollte.

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