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Kommentar : „Jamaika“ in SH: Die wilden Tage vor der Hochzeit

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Dreierbeziehungen sind schwierig, meint sh:z-Chefredakteur Stefan Hans Kläsener – doch diese hat eine Chance.

Kiel | Wenn die Brautleute am Polterabend in Streit geraten, diesen aber rechtzeitig vor der Ehelichung beilegen, kann es noch eine wunderbare Hochzeit und eine harmonische Ehe geben. Problematischer ist es aber, wenn eine Ménage-à-trois angestrebt wird, eine Dreierbeziehung. Hier drohen Eifersüchteleien und Neid. Andererseits kann ein dreibeiniger Stuhl nicht wackeln, wenn er solide gebaut ist.

 

Was also hat Schleswig-Holstein zu erwarten, wenn sich CDU, Grüne und FDP zu einem Bündnis zusammentun, das es bislang nur ein einziges Mal in Deutschland gab und das an der FDP scheiterte? Schauen wir auf die politischen Schnittmengen, so haben sich mehr Berührungspunkte und Überlappungen ergeben, als zu erwarten war. Das hat sicherlich mit den handelnden Personen zu tun, die den nötigen Respekt voreinander haben.

Die Dreierrunde mit Daniel Günther, Monika Heinold und Heiner Garg hat ausreichend Vertrauen ineinander, um sich auch Unangenehmes ins Gesicht zu sagen. Störfeuer kommen eher von Parteifreunden mit bundespolitischen Ambitionen, denn diese Wahl steht ja noch bevor. Es wäre aber eine Missachtung des schleswig-holsteinischen Wählers, wenn solches Kalkül die Koalitionsverhandlungen störte. So verwundert beispielsweise die Distanzierung der FDP von den Grünen, obwohl mindestens bei Bürgerrechten eine hohe Übereinstimmung zu vermuten wäre. Aber der liberalen Bundespartei kommt Jamaika ungelegen, da ist eher die Anbindungsfähigkeit an die SPD gewünscht. Christian Lindner hat es in Nordrhein-Westfalen deutlich signalisiert  und damit auf das falsche Pferd gesetzt.

Zu erwarten hat Schleswig-Holstein auch einen neuen Regierungschef, der seine Bewährungsprobe bereits in der vorehelichen Phase zu bestehen hatte. Das hat Daniel Günther ganz gut gemacht, und so wird er vielleicht auch ein ganz guter Ministerpräsident, wie sein Amtsvorgänger schon leicht gönnerhaft avisierte.

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erstellt am 14.Jun.2017 | 06:30 Uhr

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