AKW Brunsbüttel : Inzwischen 102 beschädigte Atommüll-Fässer

Fässer in der Kaverne I im Atomkraftwerk Brunsbüttel sind so beschädigt, dass sie unter dem Gewicht der fünf darüber gestapelten Fässer zusammengesunken sind.
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Fässer in der Kaverne I im Atomkraftwerk Brunsbüttel sind so beschädigt, dass sie unter dem Gewicht der fünf darüber gestapelten Fässer zusammengesunken sind.

Zwischenbilanz im AKW Brunsbüttel: Fast jedes dritte Atommüll-Fass ist kaputt. Noch zwei der sechs Kavernen mit insgesamt 631 Fässern müssen untersucht werden.

shz.de von
09. Oktober 2014, 19:04 Uhr

Brunsbüttel | Die Zahl der stark beschädigten Atommüll-Fässer im stillgelegten Kernkraftwerk Brunsbüttel ist weiter gestiegen. In den Kavernen - unterirdischen Lagerräumen - seien bisher 335 Fässer inspiziert worden, von denen 102 „stark beschädigt“ gewesen seien, teilte das für die Atomaufsicht zuständige Umweltministerium am Donnerstag in Kiel mit.

Wanddurchdringende Korrosion, der Austritt von Fassinhalt oder lose Deckel gelten als starke Schäden. Ende September waren 55 von bis dahin 251 untersuchten Atommüll-Fässer als kaputt eingestuft worden.

Am Freitag werde eine weitere der insgesamt sechs Kavernen mit 631 Fässern mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen zur Inspektion geöffnet, teilte die Atomaufsicht mit. Bislang wurden vier Kavernen untersucht. In Kaverne III, die als nächstes mit einer Spezialkamera inspiziert wird, lagern insgesamt 75 Fässer, weit überwiegend mit Verdampferkonzentrat aus dem Reaktorbetrieb. Da die ersten Einlagerungen in der Kaverne III im Jahre 1979 erfolgten, rechnet die Atomaufsicht auch hier „mit erheblichen Schäden“.

Fristgerecht Ende September hat Vattenfall der Atomaufsichtsbehörde nach deren Angaben einen ersten Entwurf für ein Bergungskonzept vorgelegt. Es werde gegenwärtig mit der Atomaufsicht erörtert und dann von Sachverständigen geprüft, hieß es. Das Konzept müsse auch in Zukunft noch erweitert werden. Grund seien die bei der letzten Inspektion der Kaverne II festgestellten Schäden, insbesondere der Fund eines deformierten Fasses sowie ausgetretenen Fassinhalts.

„Beides lässt sich mit den bislang entwickelten Greifvorrichtungen nicht bergen“, so erläuterte die Atomaufsicht. Nach den Vorstellungen der Atomaufsicht soll Vattenfall die Inspektionen bis Jahresende abschließen und danach so schnell wie möglich mit der Bergung beginnen. „Das soll verhindern, dass sich der Zustand der Fässer weiter verschlechtert.“  Vattenfall betonte, „die Kavernen sind sicher, weder für das Personal noch für die Bevölkerung besteht Gefahr“. Auch Umweltminister Robert Habeck (Grüne) habe auf die Betonwände und Betondeckel der Kavernen als sichere Schutzbarriere für Mensch und Umwelt verwiesen.

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