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Sonderpädagogik : Inklusion: Gewerkschaft fordert 1000 neue Lehrer

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

16.000 Kinder in Schleswig-Holstein müssen sonderpädagogisch gefördert werden - die meisten werden in Regelschulen unterrichtet. Trotzdem werde die Inklusion „stiefmütterlich“ behandelt, kritisiert die GEW.

shz.de von
erstellt am 01.Okt.2013 | 00:34 Uhr

Schleswig-Holstein ist bundesweit Spitze – jedenfalls bei der Inklusion: 60 Prozent der landesweit rund 16.000 Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf werden bereits in Regelschulen unterrichtet. Problem jedoch: Es fehlen gut ausgebildete Lehrkräfte. Das Nachsehen haben die Kinder, die oft kaum mehr als Schmalspur-Förderung erhalten.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft nannte die Ausstattung der Inklusion in Kiel „stiefmütterlich“ und „völlig unzureichend“. In Klassen mit 27 Kindern, von denen fünf einen sonderpädagogischen Förderbedarf hätten, könne eine einzelne Lehrkraft keinen guten Unterricht machen, sagte GEW-Landeschef Matthias Heidn. Mangelhaft sei auch die Vorbereitung der Lehrkräfte an Regelschulen auf die Inklusion.

Nach Berechnungen der Lehrergewerkschaft fehlten mindestens 1000 Lehrkräfte, um „überall eine erfolgreiche Inklusion möglich zu machen“, sagte Heidn. Hier gehe es nicht um eine personelle Luxusausstattung, sondern um einen Mindeststandard, der etwa die personelle Doppelbesetzung in Klassen ermögliche. Zugleich pochte die GEW auf ein Programm zur Lehrerfortbildung. Ein erstes Zeichen in diese Richtung könne der Landtag mit dem Etat 2014 setzen.

Bildungsministerin Waltraud Wende kündigte ein Inklusions-Konzept für das Frühjahr 2014 an. Dabei werde es um die Fragen der Lehreraus- und -weiterbildung ebenso gegen wie um die zukünftige Rolle der Förderzentren. Zudem werde das Lehramt Sonderpädagogik weiterentwickelt. Bisher hätten die Schulen 120 zusätzliche Stellen für die Inklusion erhalten, die Hälfte davon für Grundschulen. „Wir wollen, dass Inklusion nicht allein von der Quote, sondern auch qualitativ ein Erfolg wird,“ sagte Wende.

Die GEW erneuerte ihre Kritik an der in den kommenden Jahren geplanten Streichung von Lehrerstellen. Die Politik habe trotz Schuldenbremse Spielräume für höhere Bildungsausgaben. Die müssten genutzt werden, sagte Heidn. So könnten etwa zusätzliche Millionen-Einnahmen wegen des für Schleswig-Holstein günstigen Zensus-Ergebnisses für die Inklusion „sehr gut angelegt werden“. Mit Blick auf die Regierungsbildung im Bund pochte die GEW auf eine stärkere finanzielle Beteiligung des Bundes an den Kosten der Bildung. Das Kooperationsverbot zwischen Bund und Ländern in der Bildungsfinanzierung müsse fallen.

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