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Servicestellen vergeben Termine : In vier Wochen zum Facharzt: So funktioniert das neue Verfahren

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Was macht eigentlich die Terminservicestelle? Bekomme ich einen Termin bei meinem Wunscharzt? shz.de gibt Antworten.

shz.de von
erstellt am 25.Jan.2016 | 08:06 Uhr

Kiel | Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) verspricht, dass ab heute lange Wartezeiten auf einen Facharztermin passé sind. Terminservicestellen (TSS) sollen dafür sorgen, dass Patienten nicht länger als vier Wochen auf einen Termin beispielsweise beim Orthopäden, Kardiologen oder Neurologen warten müssen.

Dass Patienten lange auf Arzttermine warten müssen, wird immer wieder diskutiert - besonders die Unterschiede zwischen Privat- und Kassenpatienten. Letztere müssen häufig deutlich länger warten.


Der Minister hat ein Drohpotenzial aufgebaut: Kann die Kassenärztliche Vereinigung (KV) keinen Termin vermitteln, dürfen Patienten sich in der Klinikambulanz behandeln lassen – die Kosten gehen dann zu Lasten des Budget der niedergelassenen Kassenärzte. Die sind über die neuen bürokratischen Vorgaben nicht begeistert. Die staatlich verordnete Terminvermittlung wird von ihnen als störender Eingriff in den Praxisablauf gesehen.

Was Sie wissen müssen:

Wo wird die Terminservicestelle eingerichtet und wie erreiche ich sie?

Die Kassenärztliche Vereinigung in Schleswig-Holstein hat die Terminservicestelle (TSS) in Bad Segeberg eingerichtet. Dort werden ab sofort fünf Mitarbeiter montags bis freitags jeweils von 9 bis 12 Uhr sowie montags, dienstags und donnerstags von 13 bis 17 Uhr erreichbar sein, und zwar unter der Nummer 04551/30404931.

Wie viele freie Termine haben die Fachärzte der TSS bereits gemeldet?

Gar keinen! Anders als in allen anderen deutschen KV-Bezirken vergibt die TSS in Bad Segeberg nämlich keine Termine, sondern vermittelt direkt eine Facharztpraxis. Der Anrufer erhält also die Telefonnummer eines Facharztes und der muss mit dem Patienten einen Termin innerhalb der kommenden vier Wochen ausmachen. Parallel dazu informiert die TSS die Facharztpraxis, sodass diese sich auf die Kontaktaufnahme des Patienten einstellt.

Die KV Bad Segeberg hat sich zu diesem Sonderweg entschieden, weil sie zunächst Sorge hatte, dass nicht genügend freie Termine gemeldet werden. „Außerdem ist das Verfahren so für die Patienten und auch für die Ärzte flexibler“, erklärt KV-Sprecher Marco Dethlefsen. Offenbar vermeidet die KV dadurch auch, dass Kassenpatienten in die Ambulanzen der Kliniken ausweichen können, wenn sie keinen Termin genannt bekommen.

Wird jedem Anrufer ein Termin genannt?

Nein , die TSS ist nur zuständig für Patienten, die einen Überweisungsschein haben, auf dem per Code die Dringlichkeit bescheinigt ist. Experten rechnen damit, dass etwa 30 Prozent aller Überweisungen vom Arzt als dringlich eingestuft werden und den entsprechenden Code bekommen. Adressen zur Terminvereinbarung mit Augenärzten oder Frauenärzten werden ohne Überweisung genannt.

Gibt es Ausnahmen?

Nicht zuständig ist die TSS für Bagatellerkrankungen, Routine-Untersuchungen und Vorsorgetermine. Hier greift der Grundsatz, dass die Wartezeit auf den Facharzt-Termin angemessen sein muss und damit auch länger als vier Wochen dauern kann.

Termine von Zahnärzten oder Kieferorthopäden werden ebenfalls nicht vermittelt. Auch Hausärzte sowie allgemeine Kinder- und Jugendärzte sind ausgenommen. Eine Termin-Vermittlung an Psychotherapeuten ist zu einem späteren Zeitpunkt vorgesehen.

Wird durch die TSS die freie Arztwahl eingeschränkt?

Zumindest teilweise. Die TSS – genauer: der mit Algorithmen gespeiste Computer – sucht den Arzt aus , mit dem der Patient dann einen Termin vereinbaren kann. Allerdings behält der Patient die Freiheit, zu seinem Wunsch-Facharzt zu gehen und mit ihm selbst einen Termin zu vereinbaren – um den Preis womöglich länger Wartezeiten.

Wird eine Praxis in der Nähe vermittelt?

Die Arztpraxis muss für den Patienten in zumutbarer Entfernung liegen. Bei der allgemeinen fachärztlichen Versorgung (Orthopäde) gilt die Entfernung zum nächstgelegenen Arzt der Fachgruppe zuzüglich einer Fahrzeit von 30 Minuten als zumutbar. Bei Ärzten der spezialisierten und gesonderten fachärztlichen Versorgung (Kardiologen, Radiologen, Kinder- und Jugendpsychiater) darf sich diese Anfahrtszeit auf 60 Minuten erhöhen. Bei medizinischer Bedürftigkeit müssten Patienten mit ihrer Krankenkasse aushandeln, ob sie die Transportkosten übernimmt.

Was passiert, wenn der Patient den Termin nicht annimmt oder verfallen lässt?

Dann geht das ganze Prozedere von vorne los: Hausarztbesuch, Überweisung, TSS ... Ein Anspruch auf einen Ersatztermin besteht laut Gesetz nämlich nicht. Ausnahme: Der Patient sagt den Termin, den er von der Arztpraxis erhalten hat, noch am selben Tag dort wieder ab. Dann kann er mit der Praxis einen neuen Termin vereinbaren.

Wie erhöhe ich die Wahrscheinlichkeit, einen Termin bei meinem Wunscharzt zu bekommen?

Die KVSH empfiehlt Patienten, die von ihrem „Wunscharzt“ behandelt werden möchten, immer zuerst dort wegen eines Termins zu fragen, bevor sie sich an die TSS wenden. „Selbstverständlich setzen wir die gesetzliche Vorgabe um. Wir glauben aber, dass die Terminservicestelle unsere Probleme nicht lösen wird“, betonte KV-Chefin Monika Schliffke. Längere Wartezeiten auf einen Facharzttermin hätten selten etwas mit schlechter Praxisorganisation zu tun, sondern seien Ausdruck eines Mangels.

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