Grüne in Schleswig-Holstein : „Ich werde viel lernen müssen“ – Jan Philipp Albrecht wird Nachfolger von Robert Habeck

Nimmt die Herausforderung an: Jan Philipp Albrecht.
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Nimmt die Herausforderung an: Jan Philipp Albrecht – hier mit Finanzministerin Monika Heinold.

Es ist offiziell: Der 35-Jährige Europaabgeordnete wird neuer Umweltminister in Schleswig-Holstein.

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03. März 2018, 13:18 Uhr

Kiel | Der Nachfolger von Robert Habeck im Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Naturschutz und Digitalisierung steht fest: Der Landesvorstand der Grünen hat sich einstimmig für Jan Philipp Albrecht entschieden.

Die Personalie war bereits am Freitag durchgesickert. Amtsinhaber Robert Habeck war Ende Januar zum Bundesvorsitzenden der Grünen gewählt worden und darf nach einer Satzungsänderung noch maximal bis zum Frühherbst Landesminister in Kiel bleiben. Sein designierter Nachfolger Albrecht ist Jurist und vertritt seit 2009 die Grünen aus Schleswig-Holstein und Hamburg im Europäischen Parlament.

Der Wechsel zu Albrecht ist für den September vorgesehen. „Er ist ein optimaler Nachfolger“, sagte Habeck. „Besser hätte man es sich nicht wünschen können.“ Er gehe die Aufgabe mit Respekt und großer Motivation an, sagte Albrecht. Der 35-Jährige ist weder Agrarexperte noch Energie- und Atomfachmann oder Umweltspezialist. Für diese und weitere Themen als Minister in Kiel Verantwortung zu übernehmen, traut der Grüne sich trotzdem zu. „Es ist eine Herausforderung“, sagte der Europaabgeordnete am Samstag bei seiner Vorstellung als designierter Nachfolger von Robert Habeck. 

Im Blitzlichtgewitter: Robert Habeck (re.) und sein Nachfolger Jan Philipp Albrecht.
Andrea Lange

Im Blitzlichtgewitter: Robert Habeck (re.) und sein Nachfolger Jan Philipp Albrecht.

 

Auch für Konflikte zum Beispiel mit Bauern fühle er sich gewappnet. „Ich werde viel lernen müssen“, fügte er hinzu, und: „Ich bin zwischen Kornfeldern und Zuckerrüben aufgewachsen“.

Sein „Herzensthema“ sei aber die Digitalisierung: „Da sehe ich für mich große Möglichkeiten, aus dem, was hier in dem Ministerium angesiedelt ist, mehr zu machen, das aber auch zu verknüpfen mit den anderen Zuständigkeitsbereichen, wenn es etwa um die Digitalisierung in der Landwirtschaft oder um die Frage intelligenter Stromversorgung geht“, sagte Albrecht. „Und wenn Robert Habeck den Begriff des ,Draußen-Ministers' geprägt hat, dann sitzt vor Ihnen vielleicht der neue Minister für ,Digitales und Draußen'.“

Im Hinblick auf das Kieler Regierungsbündnis aus CDU, Grünen und FDP sagte er: „Ich bin ein großer Fan von diesem Projekt“. Grünen-Finanzministerin Monika Heinold wertete die Entscheidung für Albrecht als weitere Festigung für das Jamaika-Bündnis. Der Jurist vertritt seit 2009 die Grünen aus Schleswig-Holstein und Hamburg im Europäischen Parlament.

Zufrieden mit der Wahl: Umweltminister Robert Habeck (re.) und Konstantin von Notz, der lange Zeit als Habeck-Nachfolger gehandelt wurde.
Andrea Lange

Zufrieden mit der Wahl: Umweltminister Robert Habeck (re.) und Konstantin von Notz, der lange Zeit als Habeck-Nachfolger gehandelt wurde.

 

Der vorab als Habeck-Nachfolger gehandelte Grüne Konstantin von Notz hatte warme Worte für seinen Europakollegen übrig:

 

Finanzministerin Monika Heinold halte Albrecht für den „richtigen Mann an diesem Platz“, sagte sie. „Ich bin mir sicher, dass wir beide ein starkes Team abgeben als grüner Teil des Kabinetts.“

Auch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther hat die Entscheidung der Grünen für Jan Philipp Albrecht als neuen Umweltminister gutgeheißen. „Ich begrüße das ausdrücklich, dass Jan Philipp Albrecht jetzt die Nachfolge von Robert Habeck dann ab September dieses Jahres antritt“, sagte der CDU-Politiker am Sonnabend.

Auch der Landes- und Fraktionsvorsitzende der SPD Schleswig-Holstein gratulierte dem künftigen Neuzugang des Kieler Landtages: „Er übernimmt in Schleswig-Holstein das Ministerium mit dem breitesten Aufgabenspektrum. Durch sein bisheriges Engagement im Europäischen Parlament erwarten wir von Jan Philipp Albrecht vor allem neue Impulse im Bereich der Digitalisierung. Hier müssen wichtige Weichen für die Zukunft gestellt werden.“ Auch Robert Habeck wünschte er für den Bundesvorsitz der Grünen alles Gute: „Nun freue mich auf einen lebhaften Wettstreit um die besten Ideen auf Bundesebene.“

Zur Person Jan Philipp Albrecht

Jan Philipp Albrecht vertritt seit 2009 im Europäischen Parlament die Bundesländer Schleswig-Holstein und Hamburg. Er hat Frau und einen zweieinhalbjährigen Sohn. Albrechts Spezialthemen waren bisher die Innen- und Justizpolitik, dabei vor allem das Datenschutzrecht, die Polizeipolitik und der Rechtsextremismus. Im EU-Parlament ist er aktuell digital-, innen- und justizpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion. Für Digitalisierung wird er auch als Minister zuständig sein. Bei den Grünen engagiert sich Albrecht seit 1999.

Der gebürtige Braunschweiger hat von 2003 bis 2008 in Bremen, Brüssel und Berlin Jura studiert, Schwerpunkt Europa- und Völkerrecht. Er stammt nach eigenen Angaben aus einer politischen Familie mit deutsch-französischen Wurzeln. Albrecht ist Mitglied des Fußball-Zweitligisten FC St. Pauli und Gründungsmitglied des Instituts Solidarische Moderne.

Mit dpa

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