SPD-Spitzenkandidat Torsten Albig : "Ich habe ein Signal der Versöhnung gesetzt"

'Wir müssen verhindern, dass sich ein Teil meiner SPD als Verlierer sieht', sagt der neue SPD-Spitzenkandidat Torsten Albig. Foto: dpa
"Wir müssen verhindern, dass sich ein Teil meiner SPD als Verlierer sieht", sagt der neue SPD-Spitzenkandidat Torsten Albig. Foto: dpa

Warum SPD-Spitzenkandidat Torsten Albig an Ralf Stegner als Parteichef festhält, sagt er im Interview mit Stephan Richter.

Avatar_shz von
06. März 2011, 06:16 Uhr

Herr Albig, ist Ihnen die Freude über den klaren Erfolg bei der SPD-Mitgliederbefragung angesichts der aktuellen Personaldebatte vergangen?
Nein. Es war ein großartiger Erfolg für die SPD und ein klares Bekenntnis für mich als ihren Spitzenkandidaten. Ich hatte aber nicht erwartet, dass viele SPD-Mitglieder wohl über mehr als nur über den Spitzenkandidaten abstimmen wollten.
Jetzt zerfleischt sich die SPD mit der Personaldebatte gerade selbst.
Das wäre völlig bekloppt. Genau dies wollten wir nicht tun. Offene, demokratische Verfahren, die alle mobilisieren ja – quälende Personaldebatten über die Medien nein. Die SPD muss intern – sei es durch Mitgliederbefragungen oder auf Parteitagen ihre Führung bestimmen und dann nach außen Geschlossenheit und Loyalität zeigen. Alles andere bestrafen die Wählerinnen und Wähler zu Recht!
Sie haben nach Ihrem Triumph die Partei-Basis damit überrascht, dass Sie den unterlegenen Ralf Stegner nicht loswerden, sondern ihn als Parteichef behalten wollen. War dies von Ihnen eine spontane Entscheidung nach dem Sieg?
Nein. Wir müssen verhindern, dass sich ein Teil meiner SPD als Verlierer sieht. Ich bin der klare Sieger – aber wir brauchen und wollten keine Verlierer nach dem tollen Verfahren. Ich wollte auch ein bewusstes Signal für einen anderen Politikstil, gerade in Abgrenzung zu dem, was viele Ralf Stegner – zu Recht oder zu Unrecht – ja immer vorgeworfen haben. Leider haben viele unser Aufeinanderzugehen wohl als Verbot verstanden, in der SPD offen und frei über Personalien zu reden. Mit meinem Wahlsieg muss die Zeit vorbei sein, dass Hinterzimmer über Positionen bestimmen. Es entscheiden allein die Mitglieder SPD und ihre gewählten Gremien. Es muss aber auch die Zeit vorbei sein, in der politische Rache für eine akzeptable Form des Umgangs gehalten wird. Beides wird es mit mir nicht geben.
Stegner ist für viele ein "rotes Tuch". Ihr Programm zielt dagegen auf die politische Mitte. Wie passt das zusammen?
Da, wo die SPD steht, ist die Mitte der Gesellschaft. Das ist meine Grundüberzeugung. Nur von dort erringt man Mehrheiten. Dazu gehört aber auch, dass man in der Lage ist, alle Ideen, alle Kräfte, alle Herzen einer Gesellschaft zu erobern. Wer in Lagern denkt, organisiert nur Oppositionsparteien. Ich will aber eine Regierungspartei! Denn nur die kann unser Land und seine Zukunft gestalten.

Stegner hat aber bislang nur polarisiert, nicht integriert. Haben Sie nicht Sorge, dass er Ihre politische Botschaft verwässert?
Nein. Wir sind beide klug genug zu wissen, was eine Zustimmung für mich von über 57% bei einer Wahlbeteiligung von 70% bedeutet. Was unsere Partei inhaltlich von uns erwartet. Die überragende Mehrheit will einen pragmatischen Kurs der SPD, der uns an die Regierung bringt. Aber eben auch einen Kurs, der zutiefst sozialdemokratisch ist. Für beides stehe ich. Wie das geht, hat uns Olaf Scholz in Hamburg vorgemacht.

Aber die Debatte über ihre Personalentscheidung geht weiter. Letztlich muss der Landesparteitag im April über den neuen SPD-Landesvorstand entscheiden. Was, wenn die Delegierten Ihrem Vorschlag nicht folgen?
Ich muss es noch mal wiederholen: Ich habe keine Personalentscheidung getroffen, ich habe ein Signal des Vertrauens und der Versöhnung gesetzt. Die Entscheidung hat allein meine Partei und ich arbeite mit jeder oder jedem gewählten Vorsitzenden loyal, vertrauens- und respektvoll zusammen. Das erwarten die Menschen im Land von uns. Sie sind es satt, uns streiten zu sehen. Sie erwarten, dass wir uns auf die Regierungsübernahme vorbereiten. Die Herausforderungen, die auf uns warten, sind schwer genug.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen