Castoren-Lager : Hochradioaktiver Atommüll bleibt weiter in Brunsbüttel

Blick auf das Atomkraftwerk in Brunsbüttel.
Blick auf das Atomkraftwerk in Brunsbüttel.

Das Land ist in der Zwickmühle: Das Zwischenlager hat keine Genehmigung, aber die Castor-Behälter mit Atommüll müssen untergebracht werden.

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20. Dezember 2017, 14:00 Uhr

Brunsbüttel/Kiel | Atom-Castoren bleiben zwei weitere Jahre in dem nicht ausreichend gegen Terrorangriffe getesteten Zwischenlager auf dem Gelände des Kernkraftwerks Brunsbüttel. Die Atomaufsicht in Kiel begründete am Mittwoch die Verlängerung dieser Ausnahme-Anordnung damit, dass dies die sicherste Lösung sei. Im Standortzwischenlager (Kreis Dithmarschen) befinden sich 20 Castor-Behälter mit 965 hochradioaktiven Brennelementen, die alle aus dem Betrieb des Kernkraftwerks Brunsbüttel stammen. Das Lagergebäude hat Platz für 80 Castoren.

Das Oberverwaltungsgericht Schleswig hatte im Juni 2013 die Zulassung des atomaren Zwischenlagers Brunsbüttel kassiert. Es sei nicht hinreichend gegen terroristische Angriffe wie den Absturz eines Airbus A380 oder einen Angriff mit panzerbrechenden Waffen geprüft worden.

Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte 2015 die Entscheidung. Seitdem ist die Genehmigung des Zwischenlagers nicht mehr gültig. Der AKW-Betreiber Vattenfall hat beim Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit eine neue Genehmigung des Standortzwischenlagers beantragt. Vattenfall will die gerichtlich festgestellten Defizite ausräumen.

„Wir haben seit drei Jahren eine Ausnahmesituation“, sagte der für die Atomaufsicht zuständige Energiewendeminister Robert Habeck (Grüne). „Das Zwischenlager hat keine Genehmigung, aber wir können die Castor-Behälter ja auch nicht einfach irgendwohin stellen.“ Es gebe keine genehmigte Lagerstätte, an der der Kernbrennstoff sicherer gelagert werden könne als im Zwischenlager Brunsbüttel. Der ungenehmigte Zustand dürfe aber kein Dauerzustand sein, sagte Habeck und pochte auf Maßnahmen Vattenfalls.

Konkret hat die jetzt verlängerte Anordnung zum Inhalt, dass die Betreibergesellschaft die Kernbrennstoffe weiterhin im Standortzwischenlager aufzubewahren und dabei sämtliche Regelungsinhalte der zuvor erteilten Genehmigungen einschließlich des vollständigen Betriebsreglements zu beachten hat.

Das Energiewendeministerium hatte die Anordnung im Jahr 2015 auf drei Jahre befristet, also bis zum Januar 2018. Nach heutigem Stand ist das Genehmigungsverfahren auf Bundesebene zwar fortgeschritten und es hat insbesondere der atomrechtliche Erörterungstermin stattgefunden. Mit einem Abschluss bis Januar 2018 ist aber nicht mehr zu rechnen, so dass eine Verlängerung der Anordnung durch die schleswig-holsteinische Atomaufsicht unabdingbar war. Die Atomaufsicht hält die Befristung dieser Anordnung auf zwei Jahre für angemessen. Sollte die neue Aufbewahrungsgenehmigung des Bundes früher erteilt werden, würde die Anordnung entsprechend früher außer Kraft treten.

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