Ministerpräsident machte Urlaub in SH : Hitzesommer: Für Daniel Günther Genuss und Weckruf in Sachen Klimawandel

Daniel Günther (CDU), Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, steht auf dem Balkon seines Büros in der Staatskanzlei an der Kieler Förde.

Daniel Günther (CDU), Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, steht auf dem Balkon seines Büros in der Staatskanzlei an der Kieler Förde.

Der Super-Sommer ist ein Grund zum Nachdenken und Handeln für Günther. Jetzt erfasst ihn eine besondere Vorfreude.

shz.de von
09. August 2018, 08:36 Uhr

Kiel | Daniel Günther scheint in diesen Tagen noch ein wenig mehr in sich zu ruhen als sonst ohnehin schon. Der Sommerurlaub hat dem schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten sichtlich gut getan. Er macht am PC noch einen Kalendereintrag, weil er vergessen hatte, einem ihm gut bekannten Radioreporter zum Geburtstag zu gratulieren, dann kann das Gespräch beginnen. „In diesem Jahr war das für mich wirklich mal die Chance, richtig abzuschalten und Kraft zu tanken – die drei Wochen haben mir sehr gut getan“, erzählt der CDU-Politiker. „Das waren harte Monate und ein ziemlicher Wechsel in meinem Leben.“

In der Tat: Der 45-Jährige hat das ereignisreichste Jahr in seiner Karriere als Politiker hinter sich. Dem fulminanten Sieg bei der Landtagswahl im Mai vorigen Jahres folgten die Bildung der Regierung mit Grünen und FDP sowie ein rasanter Aufstieg in die Spitzenriege der Bundes-CDU. Günther gehört in seiner Partei mittlerweile zum engen Führungskreis um Kanzlerin Angela Merkel.

Günther fordert verstärkte Anstrengungen zum Klimaschutz

Nicht nur angesichts des wochenlangen erbitterten Asylstreits in der Union und des mühsam abgewendeten Bruchs zwischen CDU und CSU kann ein Vollblutpolitiker wie Günther auch in den Ferien natürlich nicht völlig abschalten. „Die Politik lässt einen auch im Urlaub nie ganz los, gerade wenn man im eigenen Land unterwegs ist und Medien konsumiert“, bestätigt er. „In diesem Jahr konnte einem ja auch nichts Besseres passieren, als in Schleswig-Holstein zu bleiben – das war schon so wie ein Lottogewinn.“

Aber: „Dieser Sommer mit der langen Dürre und Hitze sollte auch zum Nachdenken anregen“, sagt Günther. Vom Balkon an seinem Amtszimmer blickt er auf den vertrockneten Rasen hinter der Staatskanzlei. „Meine Hoffnung ist schon, dass viele Menschen, die bisher sehr skeptisch mit der Frage umgegangen sind, ob wir etwas für das Klima tun müssen, nun besser verstehen, dass hier etwas im Umbruch ist.“ So lange am Stück kein Regen, die dauerhaft hohen Temperaturen, die Auswirkungen auf die Landwirtschaft – an einen solchen Sommer könne auch er sich nicht erinnern, sagt der Ministerpräsident. „Ich glaube, das zeigt uns allen, dass das keine Drohgebärden von Wissenschaftlern sind, sondern dass dahinter sehr real etwas steckt.“ Die jetzige Politikergeneration müsse sich nun kräftig am Riemen reißen und ihre Verantwortung wahrnehmen, dem Klimawandel etwas entgegenzusetzen.

Günther wird im Herbst zum zweiten Mal Vater

Nach Urlaub und mehrtägiger Sommertour durchs Land wartet auf Günther und seine Koalition wieder viel Arbeit: Windenergie-Planung, Investitionen in die Infrastruktur, Reform der Kita-Finanzierung und Digitalisierung gehören zu den wichtigsten Themenkomplexen. Auch für Günther persönlich wird es spannend: Im Herbst erwartet seine Frau das zweite Kind. Eine Elternzeit plant er nicht. „Das ist wohl auch nicht möglich, als Ministerpräsident zwei Monate Elternzeit zu nehmen.“ Er wolle sein Leben aber so organisieren, dass er seine Familie so gut wie möglich unterstützen kann.

Dabei kann Günther auch auf seine Kabinettskollegen setzen. „Meine Stellvertreterin Monika Heinold hat mir sofort angeboten, Termine zu übernehmen.“ In seinem ersten Jahr als Ministerpräsident hat Günther weitgehend sein Vorhaben eingehalten, einen Tag in der Woche frei zu machen. „In 50 von 60 Wochen, in denen ich im Amt bin, ist mir das gelungen“, sagt er. „Das ist schon eine gute Quote.“ An solchen Tagen müsse er auch mal telefonieren und vielleicht ein Interview geben.„Aber das macht so einen Tag ja noch nicht zu einem echten Arbeitstag.“ Diese „freien Tage“ nutze er auch dazu, sich in Muße strategische Gedanken über die Entwicklung des Landes zu machen. „Das gibt auch Gelegenheit, Gedanken streifen zu lassen und mit Freunden darüber zu reden.“ Insofern sei es vielleicht ja auch im Sinne des Landes, wenn auch ein Ministerpräsident zwischendurch ein bisschen Erholung habe. „Bisher hat sich auch noch nie ein Bürger darüber beschwert.“ Im Übrigen halte er auch als Regierungschef nach wie vor Kontakt zu seinen Freunden außerhalb der Politik. „Das macht mindestens genauso viel Spaß wie in der Zeit, als ich noch nicht Ministerpräsident war.“

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