Spionage-Software : Hintertür für Staats-Trojaner in Antiviren-Software?

Wurde Antiviren-Software absichtlich so programmiert, dass sie den Staats-Trojaner nicht erkennt? Dafür gebe es deutliche Hinweise.

Avatar_shz von
21. Oktober 2011, 10:37 Uhr

Der Skandal um den Bundestrojaner zieht immer weitere Kreise. Nachdem der Chaos Computer Club (CCC) die Schnüffel-Software zugespielt bekam, berichtet die Fachzeitschrift Computerbild jetzt von Beteiligungen eines Herstellers von Antiviren-Software. Der Redaktion liege nach eigenen Angaben eine Nachricht vor, in der ein hochrangiger Mitarbeiter berichtet, sein Unternehmen habe dem Trojaner ein Hintertürchen eingebaut. So soll die Antiviren-Software nicht angeschlagen haben, auch wenn sie das Schadprogramm entdeckt hat. Um welche Antiviren-Software es sich handelt, ist laut Computerbild nicht bekannt.
"Eine Strafverfolgungsbehörde hat sich an uns gewendet und unsere Mitarbeit angefragt. Ein User wurde anhand eines gezielten Angriffs ausgespäht", zitiert die Zeitschrift den Absender der brisanten Nachricht. Dem Hersteller sei eine Kopie des Bundestrojaners überlassen worden. Das Virenschutz-Unternehmen hat den Trojaner dann so angepasst, dass die eigene Schutz-Software den Verdächtigen nicht warnte - und so die Bespitzelung ermöglichte.
"Nur in diesem Fall kooperiert"
"Wir haben in diesem Fall kooperiert, aber nur unter der Bedingung, dass diese Malware nur für diesen einzigen Fall eingesetzt wird. Sobald dieser Fall abgeschlossen war, haben wir die Signatur hinzugefügt", beteuert der Informant. Fakt ist aber, dass der modifizierte Trojaner zumindest im Ermittlungszeitraum eine Gefahr für alle Kunden der kooperierenden Antiviren-Schmiede war.
Fraglich ist zudem, ob es sich um einen Einzelfall handelt oder ob weitere Anbieter von Antiviren-Software mit staatlichen Ermittlern zusammenarbeiten. Im Gegensatz zu US-Firmen, die gesetzlich zur Kooperation mit FBI, NSA und CIA verpflichtet sind, gibt es diesen Zwang in Deutschland nicht.
Die Computerbild habe bei allen Anbietern von Antiviren-Software nachgehakt, ob es solche Anfragen oder Kooperationen gegeben habe, teilt die Redaktion mit. Das hätten aber alle einhellig verneint.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen