Dithmarscher Jugendheime : Heimleitung zu Vorwürfen: „Niemals musste sich ein Kind nackt ausziehen“

Die Vorwürfe wiegen schwer: Mädchen sollen in Dithmarscher Heimen schikaniert worden sein.
Foto:
Die Vorwürfe wiegen schwer: Mädchen sollen in Dithmarscher Heimen schikaniert worden sein.

Mädchen sollen in Jugendheimen in Dithmarschen entwürdigt worden sein. Jetzt meldet sich die Leiterin zu Wort.

shz.de von
31. Mai 2015, 13:08 Uhr

Hamburg/Kiel | Die Leiterin der „Friesenhof“-Jugendheime in Dithmarschen, Barbara Janssen, hat die gegen ihre Heime erhobenen schweren Vorwürfe am Wochenende zurückgewiesen. „Wenn die Vorwürfe sich bewahrheitet hätten, würden wir nicht mehr mit einer Betriebserlaubnis arbeiten können. Dann hätte uns die Heimaufsicht die Betriebserlaubnis entziehen müssen und hätte das auch getan“, sagte Janssen am Samstagabend dem Schleswig-Holstein Magazin des NDR-Fernsehens. „Niemals musste sich ein Kind nackt ausziehen.“

Zuvor hatten die Linken in der Hamburger Bürgerschaft unter Berufung auf ein Schreiben des Landesjugendamts Schleswig-Holstein unter anderem den Vorwurf erhoben, dass sich Mädchen und Frauen bis in die jüngste Zeit hinein vor dem fast ausschließlich männlichen Personal des Heims nackt ausziehen, ihre persönliche Bekleidung abgeben mussten und teilweise gegen ihren Willen fotografiert oder gefilmt wurden.

Die Linken hatten deshalb die Unterbringung von Mädchen aus der Hansestadt in den Einrichtungen kritisiert. Sie warfen den Hamburger Behörden fortgesetztes Versagen in Fragen der Kindeswohlgefährdung vor.

Das Kieler Sozialministerium hatte bestätigt, dass das Landesjugendamt am 28. und 29. Januar nach Beschwerden unangekündigt die Einrichtungen inspiziert hatte. Als Ergebnis der Prüfungen habe das Landesjugendamt am 30. Januar dem Träger Auflagen zur sofortigen Vollziehung erteilt, hieß es in einer Stellungnahme des Ministeriums.

Das Landesjugendamt sei aber nicht befugt, Auskunft zu einzelnen Mängeln zu geben. Sozialministerin Kristin Alheit (SPD) sagte: „Wenn es um das Kindeswohl geht, darf es keine zwei Meinungen geben: Der Schutz von Jugendlichen steht an erster Stelle. Ich erwarte, dass bei festgestellten Mängeln alle Beteiligten rasch und im Sinne der Jugendlichen handeln. Das Landesjugendamt führt weiterhin unangemeldete Kontrollen durch.“

Der Hamburger Senat widersprach in einer Antwort auf eine Schriftliche Kleine Anfrage der Kritik der Linken: Die vom Landesjugendamt Schleswig-Holstein erteilten Auflagen gegenüber der Einrichtung basierten auf den Aussagen der Mädchen, mit denen bei unangemeldeten Überprüfungen gesprochen worden war. Es gebe außer diesen Aussagen keine Anhaltspunkte, anhand derer bewertet werden könne, ob sich die Dinge so zugetragen hätten. Das Landesjugendamt Schleswig-Holstein habe die Ende Januar bei der unangemeldeten Prüfung vorgefundene Situation nicht als Kindeswohlgefährdung beurteilt und keine Veranlassung zum Entzug der Betriebserlaubnis gesehen, was zur Schließung des Heims geführt hätte.

Heimleiterin Janssen sagte zu der Überprüfung: „Die waren wirklich sehr gründlich, die haben endlose Gespräche mit den Mädchen geführt und mit Mitarbeitern. Da ist jeder einzelne Mitarbeiter befragt worden. Und es hat sich eben herausgestellt, dass diese Vorwürfe haltlos sind.“ Gleichzeitig bestätigte Janssen die Auflagen: „Die Auflage gab es, das ist aber niemals passiert.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen