„Friesenhof“ in Dithmarschen : Heim-Skandal: Betreuer hatte sexuelles Verhältnis mit Minderjähriger

Schon im Januar wusste das Sozialministerium von der Beziehung. Am Dienstag gibt es eine Sondersitzung in Kiel.

shz.de von
08. Juni 2015, 19:04 Uhr

Kiel | In der umstrittenen Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung „Friesenhof“ im Kreis Dithmarschen hat ein inzwischen gekündigter pädagogischer Mitarbeiter ein sexuelles Verhältnis mit einer Minderjährigen gehabt. Das teilte das Sozialministerium am Montag in Kiel mit. Das Landesjugendamt sei Mitte Januar über die sexuelle Beziehung des Betreuers mit dem Mädchen aus dem Heim informiert worden. Das genaue Alter des Mädchens wollte ein Ministeriumssprecher aus Datenschutzgründen nicht nennen.

Die Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung „Friesenhof“ betreute seit 1999 psychisch auffällige Mädchen. Es gab mehrere Standorte mit stationären Angeboten sowie betreutes Einzelwohnen. Im zweiten Halbjahr 2014 hatten Mädchen, aber auch zwei ehemalige pädagogische Mitarbeiter, massive Vorwürfe über inakzeptable Praktiken erhoben - etwa, dass sich die Mädchen nach ihrer Ankunft nackt vor männlichem Personal ausziehen müssten. Zwei Heime der Einrichtung waren in der vergangenen Woche geschlossen worden - wegen unzureichenden Fachpersonals und inakzeptabler pädagogischer Methoden.

Nach der Schließung der umstrittenen Einrichtung hatte die Betreiberin Insolvenzantrag beim Amtsgericht Meldorf gestellt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Hamburger Rechtsanwalt Christian Heim bestellt, heißt es in der Bekanntmachung des Amtsgerichts vom 5. Juni.

Am Dienstag kommt das Verhalten des Sozialministeriums auf den parlamentarischen Prüfstand. Die CDU hat eine Sondersitzung des Sozialausschusses des Landtags in Kiel durchgesetzt. Das Sozialministerium hatte bereits in der vergangenen Woche zwei Pressekonferenzen zu den Missständen im Friesenhof gegeben, die sexuelle Beziehung aber nicht erwähnt.

Die Opposition hält dem Sozialministerium vor, viel zu spät auf bekannte Vorwürfe reagiert zu haben. Das Ministerium hat den Vorwurf zurückgewiesen. Sozialministerin Kristin Alheit (SPD) leitete unterdessen ein Maßnahmenpaket zur Stärkung des Kinder- und Jugendschutzes in Heimen und im Landesjugendamt ein.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen