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Landtag Kiel : Heftige Diskussion um das Tanzen an Feiertagen

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Öffentliches Tanzen am Karfreitag oder Totensonntag? Der Landtag in Kiel debattierte über einen Gesetzentwurf, die bestehenden Regelungen zum Schutz der stillen Feiertage zu lockern.

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erstellt am 12.Dez.2013 | 16:39 Uhr

Kiel | Der Vorstoß der Piratenpartei, die Tanzverbote für stille Feiertage zu lockern, hat im Kieler Landtag zu emotionalen Kontroversen geführt. Patrick Breyer, Piraten-Abgeordneter, sprach am Donnerstag von der „Absurdität dieses Ernsthaftigkeitszwangs“. Eine Anpassung an die gesellschaftliche Entwicklung sei geboten. Deshalb sollte auch am Volkstrauertag, am Totensonntag und am Karfreitag abends öffentlich getanzt werden dürfen. Dagegen betonte der CDU-Abgeordnete Daniel Günther, es gelte die Bedürfnisse der 48 Millionen Christen in Deutschland zu respektieren.

Ähnlich äußerten sich Abgeordnete von Grünen und SPD. Parlamentarier von FDP und SSW zeigten Verständnis für den Vorstoß der Piraten. Deren Gesetzentwurf wurde einmütig zur weiteren Beratung in den Innen- und Rechtsausschuss überwiesen. SPD und SSW betonten, in dieser Frage keine Fraktionslinie vorzugeben und jeder Abgeordnete nach eigenem Empfinden abstimmen solle.

„Der exzessive, nicht mehr zeitgemäße Ernsthaftigkeitszwang in Schleswig-Holstein bringt gerade junge Menschen gegen den Feiertagsschutz insgesamt auf, daran können auch Kirchen kein Interesse haben“, meinte Breyer. Es sei richtig, dass jeder Mensch an den stillen Feiertagen ein Recht zu trauern hat. „Falsch ist es aber, Menschen zur Trauer zwingen zu wollen.“ 

Peter Eichstädt (SPD) bezeichnete den gesellschaftlichen Konsens, an den drei stillen Feiertagen durch eine besondere Ruhe und den Verzicht auf öffentliche Vergnügungsveranstaltungen zu kennzeichnen, für angemessen und Ergebnis unserer christlich-abendländischen Kultur. Die Einschränkungen im schleswig-holsteinischen Sonn- und Feiertagsgesetz seien im Vergleich zu den anderen Bundesländern sehr zurückhaltend.

Günther sprach sich klar für den letzten gesetzlich geschützten Ruheraum gläubiger Menschen und von Menschen, die eine Erinnerungs- und Gedächtniskultur pflegen, aus: „Es ist fragwürdig, mit welchem missionarischen Eifer die Gegner ungehemmt auf alles schimpfen, was Respekt und kleinere Einschränkungen abverlangt.“ „Seien Sie doch mal mutig und beantragen Sie ganz im Sinne der Trennung von Staat und Kirche die Abschaffung der christlichen Feiertage“, sagte Günther den Antragsunterstützern.

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Eka von Kalben sagte, dass es in ihrer Fraktion sehr unterschiedliche Meinungen gebe. „Ich muss es gestehen: Ich bin gegen Tanzen an den stillen Feiertagen“, sagte sie. „Für mich stehen Feiertage nicht rückwärtsgewandt in der Tradition einer gewachsenen Kultur. Für mich sind Feiertage notwendige Pausen im Alltag und wichtiges Zeichen.“ 

Der FDP-Abgeordnete Christopher Vogt meinte, er sehe „wie viele andere Christen kein Problem darin, dass in geschlossenen Räumen Veranstaltungen stattfinden, die weder optisch noch akustisch Gottesdienste stören oder praktizierende Christen belästigen würden“. Lars Harms vom SSW sprach sich für eine Lösung aus, die allen gerecht werde.

Die Nordkirche betont in einer Stellungnahme, der gesetzliche Schutz von Karfreitag, Volkstrauertag und Totensonntag sei „Ausdruck der Rücksichtnahme auf Gefühle und Leid von Menschen, die um Angehörige trauern oder mit dem eigenen Tod konfrontiert sind.

Verlässliche Ruhezeiten schenken ihnen im öffentlichen Raum die Möglichkeit zur Besinnung.“ Deshalb solle es keine lauten gewerblichen Umzüge und Partys geben. „Wer diesen Schutz preisgibt, räumt dem Wunsch nach Unterhaltung Vorrang ein.“

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