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Keine Senkung von Wohnbaustandards : Hauseigentümerverband gegen Schlichtbauten für Flüchtlinge

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Wohnungsbaustandards für Flüchtlinge senken? Nein, sagt der Eigentümerverband Haus & Grund. Spätere Leerstände und Abrisse wären aus seiner Sicht die teuren Folgen. Eindringlich warnt der Verband vor Beschlagnahmungen.

shz.de von
erstellt am 07.Okt.2015 | 14:13 Uhr

Kiel | Der Eigentümerverband Haus & Grund ist dagegen, zur längerfristigen Unterbringung von Flüchtlingen Schlichtbauten mit gesenkten Standards zu errichten. Mit Wohnsilos auf der grünen Wiese sei niemandem gedient, sagte der schleswig-holsteinische Landesvorsitzende Alexander Blažek am Mittwoch in Kiel. Für die Erstunterbringung seien provisorische Bauten, die schnell wieder entfernt werden können, kein Problem. Für den herkömmlichen Neubau bewährte Standards zu senken, sei aber der falsche Weg. In der Landesregierung gibt es Überlegungen, bei neuen Unterkünften für Flüchtlinge zum Beispiel von sonstigen Energiestandards abzuweichen.

Die Fehler der 70er Jahre sollten nicht wiederholt werden, sagte Blažek. Massenunterkünfte seien für die Integration schlecht und führten zur Ghettoisierung, wenn sie auf der grünen Wiese errichtet werden. Was beim Bauen eingespart würde, müsste für mehr Sozialarbeiter wieder ausgegeben werden. Nachhaltige Stadtgestaltung dürfe nicht aktueller Hektik zum Opfer fallen, sagte Blažek. Ansonsten wären in einigen Jahren Leerstände absehbar. Häuser müssten dann mit staatlicher Förderung abgerissen werden. Stattdessen sollten Planungsvorhaben mit mehr Personal in den Bauämtern beschleunigt werden.

Der Verband, der im Land die Interessen von 66.000 Hauseigentümern vertritt, warnte davor, zur Unterbringung von Flüchtlingen Immobilien zu beschlagnahmen. Derzeit gebe es keine Hinweise darauf, dass die Landesregierung dies bei Wohnungen vorhabe, sagte Blažek. Sollte dies sich ändern, wäre die Partnerschaft mit der Regierung in der Flüchtlingsfrage beendet. Auch eine Beschlagnahme von Gewerbeimmobilien wäre ein falsches Signal. Nur mit den privaten Eigentümern werde es gelingen, die Versorgung der Flüchtlinge mit Wohnraum zu organisieren, sagte Blažek. Sie stellten über 60 Prozent der Mietwohnungen im Land zur Verfügung.

Wenn zum Beispiel in einem Mehrfamilienhaus eine leerstehende Wohnung an Flüchtlinge vermietet würde anstatt eines ganzen Hauses, könne die Integration in die Nachbarschaft besser gelingen. Da Private ihre Immobilien überwiegend in zentralen Lagen von Städten und Gemeinden hätten, würde diese Form der Unterbringung auch Ghettoisierung vorbeugen.

Blažek zufolge ist die Bereitschaft von Hauseigentümern, Flüchtlingen zu helfen, sehr groß. In Kiel seien bereits mehr als 1000 Wohnungen an Flüchtlinge vermietet. Als vollkommen falsches Signal stufte Haus & Grund die geplante Mietpreisbremse ein. Diese werde ein Investitionshindernis allererster Güte. Mit diesem „bürokratischen Monster“ werde nicht eine bezahlbare Wohnung mehr entstehen.

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