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Tourismus in SH : Händler verfluchen neue Bäderregelung

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In Tourismusorten berichten Ladenbesitzer von Einbußen bis zu 15 Prozent. Die Kirche wehrt sich gegen Vorwürfe.

shz.de von
erstellt am 22.Feb.2014 | 13:43 Uhr

Sie sehen ihre Befürchtungen bestätigt: Seit Anfang des Jahres gelten die neuen Regeln für die Sonntagsöffnung in Tourismusorten, und schon jetzt berichten Einzelhändler an der Ostsee von Umsatz-Einbußen und Entlassungen.

„Der Umsatz-Rückgang ist deutlich zu spüren“, sagt Joachim Nitz, Geschäftsführer der Timmendorfer Strand Niendorf Tourismus GmbH. Einzelhändler und Gastronomie an der Lübecker Bucht beklagen Nitz zufolge einen Rückgang von zehn bis 15 Prozent. In Timmendorfer Strand machen Geschäftsinhaber ihrem Ärger mit Plakaten Luft. Damit schießen sie sich vor allem auf die Kirche ein, deren Klagedrohung die Reform der Bäderregel ins Rollen gebracht hatte.

„Derart starken Protest erfahren wir jedoch nur aus Timmendorfer Strand“, sagt Nordkirchen-Sprecher Frank Zabel und bedauert, dass die Initiatoren „an einem sachlichen Diskurs offenbar nicht interessiert sind“ und die geltende Rechtslage ausblendeten. „Grundsätzlich gilt: Der Sonntagsschutz ist ein hohes Gut, damit möglichst viele Menschen diesen einen gemeinsamen Tag behalten können. Dafür setzen wir uns ein“, sagt Zabel. Die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus‘ sei der Kirche dabei bewusst. Daher gehe es immer um eine „moderate Ausnahmeregelung, nicht um die Abschaffung der Bäderregelung“.

Es sei befremdlich, dass die Kirche dafür gescholten werde, im Grundgesetz verankerte Grundrechte wie die Sonntagsgarantie zu verteidigen. Im Übrigen sei das Ergebnis der Verhandlungen zwischen dem Tourismusverband sowie dem Hotel- und Gaststättenverband, der Gewerkschaft Verdi, der Industrie- und Handelskammern, dem Einzelhandelsverband und den Kirchen ein Kompromiss, dem alle Beteiligten zugestimmt hätten und der sich an geltendem Recht orientiere, so Zabel.

Der Einzelhandelsverband Nord trägt denn auch die gefundene Lösung ausdrücklich mit. „Mit ihr haben wir für die nächsten fünf Jahre Rechtssicherheit und eine Klage abgewendet“, so Geschäftsführerin Monika Dürrer – doch komme bei so einem Kompromiss eben einiges zusammen. Dürre gibt zu, dass die Regel vielen Ladenbetreibern das Leben schwer mache. „Weil Geschäfte nur noch sechs Stunden geöffnet sind, ist die Personalplanung etwas kompliziert.“ Seien früher zwei Mitarbeiter jeweils vier Stunden im Laden gewesen, müsse sich jetzt jemand für eine Zwei-Stunden-Schicht auf den Weg machen. „Da muss man erst einmal jemanden finden, der das macht.“

An der Lübecker Bucht habe es bereits Entlassungen gegeben, sagt Tourismus-Chef Nitz. Es lohne sich für einige Einzelhändler nicht, jemanden zu beschäftigen, wenn mit mit dem Sonntag einer der Haupt-Geschäftstage in der Woche ausfällt. „Die Menschen kommen nun mal am Wochenende“, so Nitz. „Mittwoch nachmittags ist hier im Winter tote Hose.“

Auch der Einzelhandelsverband berichtet von Umsatzeinbußen unter seinen Mitgliedern. Diese ließen sich jedoch nach so kurzer Zeit noch nicht beziffern, sagt Dürrer. Schwerer wiegt nach Einschätzung des Verbands die Verunsicherung bei den Gästen. „Die Planen ihren Urlaub natürlich nicht auf der Grundlage der Bäderregelung“, sagt Dürrer, „und stehen dann vor verschlossenen Türen“. Schließlich suchten sich viele Gäste den ruhigen Jahresanfang für eine Reise nach Schleswig-Holstein aus. „Die überlegen sich doch, ob sie nicht nächstes Mal nach Dänemark fahren, wo sie jeden Tag einkaufen können“, so Dürrer weiter.

Wie groß die Einbußen an der Lübecker Bucht tatsächlich sind, soll im März eine Umfrage unter den Geschäftsinhabern zeigen. Dann ist für die Timmendorfer nämlich die Zeit der geschlossenen Sonntage vorbei: Die Gemeinde hat die zwei zusätzlichen verkaufsoffenen Sonntage auf den 2. und 9. März gelegt, um die Saison früher zu starten. Ähnliches planen auch andere Tourismus-Orte, etwa Eckernförde (2. März und 2. November). An beiden Tagen ist wie an jedem ersten Sonntag im Monat Fischmarkt, was viele Gäste bislang für einen Einkaufsbummel genutzt haben. Zwar gehen die Geschäftsleute in Eckernförde von eher geringen Einbußen aus, aber: „Tendenziell stelle ich fest, dass Eckernförde auch im Winter eine zunehmende touristische Bedeutung hat. Das ist ein Potenzial, das wir jetzt verschenken“, sagt Café-Betreiberin und CDU-Ratsmitglied Katharina Heldt.


 

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