Kommentar : Habecks Berlin-Pläne: Ganz schön mutig

Robert Habeck will 2017 für die Grünen bei der Bundestagswahl antreten.
Robert Habeck will 2017 für die Grünen bei der Bundestagswahl antreten.

Robert Habeck ist Idealist. Anders als im Kieler Landtag verspricht er sich in Berlin wirklichen Handlungsspielraum. Ein Kommentar von Peter Höver.

shz.de von
05. Mai 2015, 20:18 Uhr

Kiel | Dass Robert Habeck Sympathien für eine Spitzenkandidatur zur Bundestagswahl 2017 hat, ist nicht wirklich neu. Habeck ist Überzeugungstäter, ist einer, der verändern und gestalten will. Dieser Anspruch ist aus der Rolle eines Landes-Umwelt- und -Energieministers nur äußerst begrenzt möglich. Habeck weiß das nach drei Jahren Amtszeit. Hinzu kommt: Die Rücktritte zweier Minister aus dem Kabinett von Torsten Albig – sie wirken noch immer nach.

Längst läuft es nicht mehr so rund in der Koalition wie ihre Protagonisten glauben machen wollen. Die Hosen im rot-grün-blauen Bündnis hat ohnehin SPD-Chef Ralf Stegner an. Der Ministerpräsident präsidiert mehr als dass er als Regierungschef identifizierbar wäre. Auch deshalb hat sich Habeck in Stellung gebracht.

Wie Habecks Chancen bei einer Urwahl stehen, ist schwer zu sagen. Ein Risiko ist die Kandidatur allemal. Habeck weiß das. Zwar gehört er zu den einflussreichen Ländergrünen in der Bundespartei. Gegen die Prominenz auf Bundesebene gilt das selbstbewusste Nordlicht gleichwohl als Außenseiter. Zum Erfolg Habecks bei der Urwahl könnten Teile des linken Parteiflügels beitragen. Die wollen verhindern, dass der als Ultra-Realo geltende Cem Özdemir die Grünen in die Bundestagswahl führt. Ob das reicht, ist völlig offen.

Dabei ist Habeck so weit von Özdemir gar nicht entfernt. Der Nord-Grüne ist keiner, der mit der ideologischen Keule in der Hand durchs Land marschiert. Das gilt für seine Energiepolitik genauso wie für seinen Kurs in der Umwelt- und Agrarpolitik. Selbst im Bauernverband schätzen sie – hinter vorgehaltener Hand – Habecks Pragmatismus. Politisch kompatibel ist er in der Koalition mit der SPD genauso wie er für ein Bündnis mit der CDU wäre.

Ob das ein Trumpf ist im Rennen um die Spitzenkandidatur oder eine Lusche – das wird sein Ergebnis bei der Urwahl zeigen. Für den Bund jedenfalls hat sich Habeck nicht weniger vorgenommen als eine Revolte im politischen Alltagsgeschäft. Ganz schön mutig, dieser Idealist.

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