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Schutzstreifen, Knickpflege und EU-Prämie : Habeck will Knickschutz-Vorgaben in SH ändern

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Minister Habeck strebt Änderungen beim Knickschutz an. Wahrscheinlich werden damit weder Bauern noch Naturschützer vollends zufrieden sein.

shz.de von
erstellt am 25.Mär.2015 | 12:48 Uhr

Kiel | Mit Änderungen beim Schutz der für Schleswig-Holstein so typischen Knicks handelt sich ein Minister in aller Regel den geballten Zorn der Bauern oder Proteste von Naturschützern ein. Agrar- und Umweltminister Robert Habeck (Grüne) hat jetzt eine neue Vorlage mit Maßnahmen unterbreitet, die erneut auf ein geteiltes Echo stoßen dürften. Es geht um Schutzstreifen und konkrete Vorgaben zur Knickpflege. Er hoffe auf eine einvernehmliche Lösung, auch wenn es hier und da Zähneknirschen gebe, sagte Habeck am Mittwoch. Er habe sich um einen fairen Interessenausgleich bemüht.

Konkret will Habeck den Knicks zugeordnete Saumstreifen bei Grünland abschaffen - ein Pluspunkt für die Landwirte. Bei Ackerflächen sollen die Bauern zu einem vorgegebenen Schutzstreifen von einem halben Meter zum Knick noch einen halben Meter dazugeben, um die volle EU-Prämie zu bekommen. Der dann einen Meter breite Streifen kann als ökologische Vorrangfläche anerkannt werden. Hintergrund: Die Bauern wurden mittlerweile von der EU verpflichtet, zum Schutz der Natur fünf Prozent ihrer Flächen nicht zu bewirtschaften, wenn sie die kompletten Prämien haben wollen.

Eine weitere Änderung betrifft den Rückschnitt der Knicks. Habeck sprach von einem zumutbaren Kompromiss zwischen den Interessen von Bauern und Naturschutz. Beim Rückschnitt - die Gesamtlänge der Knicks im Land gibt das Ministerium mit 45.000 Kilometern an - können die Wallhecken nach Habecks Plänen künftig nur noch einen Meter vom Knickfuß entfernt bis zu vier Meter gerade hochgeschnitten werden statt wie bisher 50 Zentimeter vom Knickfuß in einem schrägen Winkel. „Sieht zwar nicht so schön aus, ist aber einfacher zu administrieren“, sagte Habeck.

Der Minister will mit seinen Plänen einerseits der Forderung der Bauern entgegenkommen, das Hineinwachsen der Knick-Gehölze in die landwirtschaftlich genutzten Flächen zu begrenzen. Andererseits folgt er dem Wunsch der Naturschützer, das Zurückschneiden der Knicks auf bloße Formhecken zu verhindern. Der Rückschnitt wird alle drei Jahre ermöglicht statt alle sechs Jahre wie bisher. „Jeder muss ein bisschen was geben“, sagte Habeck mit Blick auf Bauern und Naturschützer.

Der Minister reagiert mit seinen Plänen auf veränderte rechtliche Rahmenbedingungen durch die EU und ein Verfahren vor dem Oberverwaltungsgericht. Die neuen Regelungen sollen im ersten Quartal nächsten Jahres in Kraft treten. Die Frage, ob er mit Demonstrationen gegen seine Pläne rechne, bejahte Habeck: „Weil es immer so kommt.“

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