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Netzausbau statt Energiespeicher : Habeck: „SH wird Drehscheibe der Energiewende“

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Ökostrom mit der Leistung von vier Atomkraftwerken soll nach Plänen von Umweltminister Robert Habeck von SH bald in den Süden fließen. Der Netzausbau dafür sei wichtig - Energiespeicher seien weniger wirtschaftlich.

shz.de von
erstellt am 17.Sep.2014 | 17:08 Uhr

Kiel | Für das Gelingen der Energiewende ist nach den Worten von Schleswig-Holsteins Energieminister Robert Habeck (Grüne) der zügige Netzausbau entscheidend. Der Bau von Energiespeichern sei keine Alternative, weil diese viel teurer kämen und technisch sehr anspruchsvoll seien, sagte Habeck am Mittwoch in Kiel. Mittelfristig müssten Speicher aber ihren Beitrag für Versorgungssicherheit und Netzstabilität leisten. Dies habe ein Gutachten im Auftrag des Ministeriums eindeutig ergeben.

Erst am Dienstag war in Schwerin (Mecklenburg-Vorpommern) der größte kommerzielle Batteriepark Europas in Betrieb genommen worden. Mit Hilfe von 25.000 Lithium-Ionen-Akkus gleicht der kommunale Energieversorger Wemag Schwankungen im Stromnetz aus. Die Anlage in Schwerin leiste einen wichtigen Beitrag zur Sicherung der Netzstabilität im Sekundenbereich, sagte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD). Es gebe aber auch die Sorge um kostenträchtige Entwicklungen und hohe Subventionen. Der Bund förderte das rund sechs Millionen Euro teure Projekt mit 1,3 Millionen Euro.

Habeck betonte: „Speicher sind keine Antwort auf Netzengpässe und regionale Stromüberschüsse - so ärgerlich es ist, wenn Strom aus Wind und Sonne teilweise nicht eingespeist werden kann“. Die verschiedenen Speichertechnologien seien „noch weit von der Wirtschaftlichkeit entfernt“. Wenn das im Norden geplante Leitungsnetz steht, „wird es faktisch keinen überschüssigen Strom aus erneuerbaren Energien mehr geben. Deshalb treiben wir den Netzausbau weiter energisch voran.“ 

Laut Habeck liegt der Netzausbau im Norden voll im Zeitplan. Die Westküstenleitung soll 2017/18 fertig sein, die Ostseeküstenleitung 2021. Mit der Fertigstellung der „Nordlink“-Leitung von Südnorwegen durch die Nordsee einschließlich Wattenmeer nach Büsum wird 2018 gerechnet - „wenn die Norweger Wort halten“. Die Südlink-Verbindung von Schleswig-Holstein nach Süddeutschland soll ab 2021 Strom transportieren.

„Wir bauen Schleswig-Holstein zur Drehscheibe der Energiewende aus“, sagte Habeck. Langfristig werde vom Norden grundlastfähiger Strom mit der Leistung von vier Atomkraftwerken nach Süddeutschland fließen.

Wenn der Anteil des Öko-Stroms in der Zukunft von zurzeit etwa 31 Prozent auf 60 bis 70 Prozent steigen sollte, seien spezielle Energiespeicher zur Systemstabilisierung des Stromnetzes notwendig, betonte der Grünen-Politiker. Die Entwicklung entsprechender Speicher könne ab 2015 mit Mitteln des EU-Fonds EFRE gefördert werden. Für Schleswig-Holstein umfasst der EFRE-Fonds bis 2020 rund 70 Millionen Euro. Habeck bekräftigte, dass Schleswig-Holstein in diesem Jahr rechnerisch 100 Prozent seines Energieverbrauchs mit Ökostrom decken wird. Bis 2025 soll die Ökostromproduktion auf das Dreifache des Verbrauchs im Norden steigen.

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