Grüne Woche : Habeck fordert Umdenken in der Landwirtschaft in SH

Agrarminister Robert Habeck.
Agrarminister Robert Habeck.

Hoch produktiv, aber krisenanfällig: Preisstürze wie bei Milch und die Russland-Sanktionen stellen die exportabhängige Landwirtschaft vor große Probleme. Die EU soll helfen, sagt Minister Habeck.

shz.de von
17. Januar 2015, 10:07 Uhr

Kiel | Mit zusätzlichen Kriseninstrumenten und neuen Strategien will Schleswig-Holsteins Agrarminister Robert Habeck die Bauern besser gegen die teils extremen Preisschwankungen wappnen. Die Landwirtschaft im Norden demonstriere auf der Grünen Woche in Berlin erneut ihre Leistungsstärke, sagte der Grünen-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Aber die starke Exportorientierung und ihre hohe Leistung machten die im Norden besonders produktive Branche auch anfällig, wenn die Märkte nachgeben. Dies erfordere auch ein Nachdenken über neue Strategien.

Er fordere zusätzliche Maßnahmen der EU, um die Betriebe zum Beispiel besser gegen die stark gesunkenen Milchpreise zu schützen, sagte Habeck. „Der Markt richtet viel, aber er richtet auch hin.“ Gut wirtschaftende Familienbetriebe dürften nicht allein aufgrund einer hoffentlich zeitlich begrenzten Krise in eine wirtschaftliche Notlage geraten und deshalb aufgeben müssen.

Die Gemengelage für die Landwirtschaft sei extrem schwierig, sagte Habeck. „Das Angebot an Agrarerzeugnissen ist vor dem Hintergrund weltweit günstiger Bedingungen hoch, der EU-Binnenmarkt weitgehend gesättigt, die Nachfrage auf den Weltmärkten schwächelt und der Importstopp der Russischen Föderation verschärft die Krise.“ Die Russland-Sanktionen träfen die Landwirtschaft stärker als von der Bundesregierung prognostiziert.

Vor diesem Hintergrund halte er es für notwendig, dass die Landwirtschaft selbst Strategien zum Schutz vor stark schwankenden Erzeugerpreisen entwickelt, sagte Habeck. „Aus meiner Sicht kann das nicht nur heißen, immer intensiver und immer mehr Export.“ Der Markt ändere sich, die Verbraucher wollten stärker wissen, woher ihre Lebensmittel kommen und wie sie produziert werden. Der Ausbau einer regionalen, tiergerechteren und ökologischen Produktion könne hier ein wichtiger Weg sein. Das würde Landwirten die Chance ermöglichen, sich neu zu positionieren. „Dies kann sicherlich nicht für jeden Betrieb eine Lösung sein, aber im Rahmen der betrieblichen Diversifizierung ein weiteres Standbein darstellen.“

Ungeachtet aller Probleme zeige sich die Landwirtschaft bei der Grünen Woche in Berlin bis zum Ende nächster Woche in bester Verfassung, sagte Habeck. „Wir haben die hippste Halle und echt coole Bauern.“

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