zur Navigation springen

Landesbauerntag : Habeck: Fleisch zu Dumpingpreisen ist „ethisch kritikwürdig“

vom

In der Höhle des Löwen: Landwirtschaftsminister Habeck hält beim Landesbauerntag in Rendsburg die Ansprache. Der von den Bauern stark kritisierte Grüne wirbt für naturnahe Landwirtschaft und höhere Fleischpreise.

Rendsburg | Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hält den Verkauf von Fleisch zu Dumpingpreisen „für skandalös und ethisch kritikwürdig“. „Lebensmittel werden verramscht“, sagte Habeck anlässlich des Landesbauerntages am Freitag in Rendsburg. Auf den Landwirten laste auch deshalb ein enormer Kostendruck – „sie bekommen als Produzenten weniger für ihre Produkte bezahlt als sie verdient haben, das ärgert mich“.

Unter großem Applaus Hunderter Zuhörer in der Deula-Festhalle beim Landesbauerntag sagte Habeck: „Wenn die Gesellschaft andere Werte fordert, muss mehr Geld beim Landwirt bleiben.“ Nach Ansicht des Grünenpolitikers bräuchten die Bauern als Voraussetzung höhere Erlöse, um eine naturnahe Landwirtschaft und bessere Tierhaltung überhaupt umsetzen zu können. Es sei nicht zu verstehen, dass die Aldi-Gründer Milliardäre geworden seien, während die Bauern etwa bei der Schweinezucht mit wenigen Cent Gewinnmargen je Kilogramm extrem eng kalkulieren müssten.

Zuvor hatte der Präsident des Bauernverbands, Werner Schwarz, kritisiert, von den Landwirtschaft werde erwartet, „regional, ökologisch, klein und bäuerlich“ zu sein – und dies zu Discountpreisen. Die Politik drehe an zu vielen Stellschrauben gleichzeitig und gefährde so bäuerliche Existenzen. „Man erwartet von uns die Quadratur des Kreises, aber bitte sofort und ohne negative Folgen.“ Dabei würden den Bauern Betriebsmittel entzogen, Schwierigkeiten bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln gemacht, und immer strengere Obergrenzen erlassen beim Einsatz von Düngemitteln oder bei der medizinischen Versorgung von Tieren.

Massive Kritik übte Schwarz an Habeck wegen der „Flutwelle an Verordnungen aus allen Bereichen Ihres Ministeriums“. Beim Thema Knickschutz haben Bauern geklagt, weil sie den halben Meter Saumstreifen als Eingriff in die Eigentumsfreiheit betrachten. Schwarz sagte, es gebe keine fachliche Begründung für Saumstreifen. Auch der Erlass, für neue große Schweineställe den Einbau von Filtern vorzuschreiben, hat für Unmut gesorgt. Bei älteren Ställen ist eine Nachrüstung je nach Einzelfall vorgesehen.

Habeck betonte, „Dumpingpreise gehen auf Kosten von dringend notwendigen höheren Standards für Tierwohl – mehr Platz in den Ställen, mehr Stroh, weniger Eingriffe wie Schwänzekupieren und Schnäbelkürzen.“ Es gehe nicht darum, den Verbraucher umzuerziehen, sondern darum, das System so zu verändern, dass es auch den Tieren gut gehe. Deutschland gehöre zu den Ländern in Europa, in denen die Menschen den geringsten Anteil an ihrem Einkommen für Nahrungsmittel ausgeben. „Der ständige Wettlauf zwischen billig und billiger ist der falsche Weg“, warnte Habeck.

Über die Bedeutung der Kooperation von Landwirtschaft und Naturschutz referierte die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, Beate Jessel. Diese Kooperation sei notwendig. Voraussetzung aber sei, dass ökologische Leistungen der Landwirte angemessen honoriert werden, sagte Jessel. Mit elf Prozent der gesamten Treibhausemissionen sei die Landwirtschaft für den Klimaschutz ein wichtiger Faktor. Im Jahr 2010 habe die Landwirtschaft 105 Millionen Tonnen Kohlendioxid ausgestoßen. In Schleswig-Holstein habe die Landwirtschaft mit einem Anteil von 70 Prozent der Flächennutzung eine zentrale Rolle bei der Entwicklung der Kulturlandschaft.

In seiner Rede kritisierte Schwarz auch TV-Berichte über schlimme Zustände in Tierställen. Bei diesem Sensationsjournalismus werde illegal in Ställe eingebrochen. Der Bauernverband habe vergangene Woche beim Rundfunkrat des NDR Programmbeschwerde eingelegt.

Auf der Landwirtschaftsmesse Norla zeigen seit Donnerstag in Rendburg fast 550 Aussteller aus dem In- und Ausland technische Neuentwicklungen und aktuelle Trends im gesamten Sektor. Bis Sonntag erwarten die Veranstalter rund 70.000 Besucher. Im Mittelpunkt steht moderne Landwirtschaftstechnik.

Unterdessen hatte Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) seine Teilnahme an der Norla abgesagt. Der Bauernverband hatte wie seit Jahrzehnten üblich den Ministerpräsidenten eingeladen, um die Ansprache zur Eröffnung des Landesbauerntages zu halten. Auch Versuche, Albig umzustimmen seien gescheitert, bestätigte der Generalsekretär des Bauernverbandes, Stephan Gersteuer. In den Reihen des  schleswig-holsteinischen Bauernverbandes hat Albigs Absage zu „Enttäuschung“ und teilweise auch „Verärgerung“ geführt.

zur Startseite

von
erstellt am 05.Sep.2014 | 06:50 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen