Landtagsdebatte : Habeck: Ausweitung der Wälder in SH nicht bezahlbar

Die angestrebte Ausweitung der Wälder in Schleswig-Holstein auf zwölf Prozent der Landesfläche ist nach Ansicht von Forstminister Habeck unrealistisch. Deshalb sollte künftig die Qualität der Wälder, etwa mit mehr Laubbäumen, im Fokus stehen.

Avatar_shz von
20. November 2013, 18:16 Uhr

Kiel | Forstminister Robert Habeck hat eine Ausweitung der Wälder in Schleswig-Holstein als wünschenswert, aber leider unrealistisch bezeichnet. Rund 1,2 Milliarden Euro würde es kosten, um nach heutigen Preisen den Waldanteil von 10,3 Prozent auf 12 Prozent – wie im Landesentwicklungsplan angestrebt – auszuweiten, sagte der Grünen-Politiker am Mittwoch in Kiel im Landtag. In den kommenden Jahrzehnten sei dies unerreichbar. Im Vordergrund stehe daher eine Erhöhung des Naturwaldanteils. Statt auf eine Ausweitung der Wälder wie bisher zu setzen, sollte in Zukunft die Verbesserung der Qualität der Wälder im Vordergrund stehen.

Als „schwarzen Tag“ für die Forstwirtschaft bezeichnete Habeck den Orkan „Christian“ mit verheerenden Schäden. Der Sturm habe rund 500.000 Kubikmeter Holz umgerissen – „wie Streichhölzer sind 100-jährige Bäume einfach umgeknickt. Es sind so viele Bäume verloren gegangen wie sonst in einem Jahr in Schleswig-Holstein geschlagen werden.“ Forstwirtschaftliche Arbeit für Jahre sei zunichte gemacht worden.

Der Anteil der Naturwälder soll laut Habeck auf zehn Prozent in den öffentlichen Wäldern steigen, in allen Wäldern auf etwa fünf Prozent. Für eine bessere Qualität der Wälder mit mehr Laubbäumen und mehr heimischen Baumarten sollen die entsprechenden Fördermittel für den ländlichen Raum in der neuen Förderperiode auf fünf Millionen Euro verdoppelt werden.

Um auf 12 Prozent Waldfläche im Norden zu kommen, müssten 30.000 Hektar landwirtschaftliche Fläche aufgeforstet werden. Über so viel Grund und Boden verfüge der Staat nicht, erläuterte Habeck. Ein Hektar Ackerfläche koste mittlerweile mindestens 30.000 Euro, hinzu kämen 5000 bis 10.000 Euro für die Aufforstung.

Die CDU, aber auch die Regierungsparteien SPD, Grüne und SSW forderten, auch in Zukunft am Ziel von 12 Prozent Waldanteil im Norden im Landesentwicklungsplan festzuhalten - als politisches Signal. Schleswig-Holstein sei mit aktuell 10,3 Prozent der Landesfläche das waldärmste Bundesland, gab die CDU zu bedenken. Im Bundesdurchschnitt sind es 31 Prozent.

Laut dem Waldbericht 2009 ist der Norden zwar waldarm, verzeichnet aber auch die größte Wald-Zuwachsrate aller Bundesländer – seit 1987 sind 7000 Hektar dazugekommen. Zum Vergleich: Im Jahr 1780 betrug der Waldanteil in Schleswig-Holstein nur vier Prozent. Innerhalb des Landes gibt es starke Unterschiede: Im Kreis Herzogtum Lauenburg beträgt der Waldanteil fast 25 Prozent. Die Marschen im Nordwesten sind hingegen fast unbewaldet.

Die Hälfte des schleswig-holsteinischen Waldes befindet sich in Privatbesitz. Gut ein Drittel ist Landes- oder Bundeswald, der Rest gehört anderen öffentlichen Körperschaften.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen