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Kommentar : Gute Noten für Schüler in SH: Ein Grund zur Freude

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Das Niveau stagniert, moniert Karin Prien. Warum sich die Bildungsministerin nicht freut, weiß Henning Baethge.

shz.de von
erstellt am 14.Okt.2017 | 07:00 Uhr

Merkwürdig: Schleswig-Holsteins Grundschulen schneiden beim neuen Länderleistungsvergleich der Viertklässler gut ab – aber Bildungsministerin Karin Prien mag sich gar nicht freuen. Das Niveau stagniere, bemängelt sie, es gebe keine Verbesserungen. Ein Lob für die engagierten Lehrkräfte kann sich die CDU-Politikerin noch abringen. Das war’s.

Richtig ist zwar, dass die Schüler im Norden sich in vielen Feldern kaum verbessert haben und vor allem deshalb weit vorne landen, weil die Kinder in anderen Ländern sogar noch schwächer sind als vor fünf Jahren. Doch erstens ist ein Halten des Niveaus angesichts immer größerer Vielfalt in den Klassen kein schlechtes Ergebnis und durchaus Grund zur Freude. Und zweitens haben sich die Viertklässler im Land in der wichtigen Fähigkeit des Lesens sogar klar verbessert. Auch ist hier inzwischen die oft kritisierte Abhängigkeit des Schulerfolgs von der sozialen Herkunft im Norden so niedrig wie nirgends sonst.

Priens Kritik an den vorzeigbaren Ergebnissen hat daher weniger inhaltliche Gründe, als vielmehr zwei andere – einen prinzipiellen und einen politischen. Zum einen ist ein Chef nie gut beraten, alles für perfekt zu erklären. Verbesserungspotenzial gibt es  immer, natürlich auch an Schleswig-Holsteins Grundschulen. Allzu deutlich gezeigte Zufriedenheit könnte den Ehrgeiz von Schülern, Lehrern und der eigenen Finanzministerin da unnötig bremsen.

Zum anderen würde Prien mit einer Jubelmeldung zwangsläufig die SPD-Bildungspolitik loben – und das will die CDU-Frau ungern. Sie selbst ist ja erst kurz im Amt und kann sich die Resultate der Tests aus dem Frühjahr 2016 daher nicht ans Revers heften. Vielmehr ist das Abschneiden der Grundschüler das Ergebnis der Bildungspolitik des vergangenen Jahrzehnts. Und da hatte außer in drei schwarz-gelben Regierungsjahren stets die SPD oder die ihr einst nahe stehende parteilose Waltraud Wende das Schulressort inne.

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