zur Navigation springen

Kommentar : Gute Karten

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Landesregierung will mit einer Ausbildungsoffensive Nachwuchskräfte für die öffentliche Verwaltung gewinnen. Kaum anderswo lassen sich Beruf und Familie so gut unter einen Hut bringen wie im öffentlichen Dienst. Ein Kommentar von Peter Höver.

Die private Konkurrenz ist mächtig. Ohnmächtig geht aber auch der Staat nicht in den zunehmend härteren Wettbewerb um den Nachwuchs. Nun hat die Regierung in Kiel gestern zur Ausbildungsoffensive für den Landesdienst geblasen – frei nach der Devise: Wer nicht wirbt, der stirbt. Albig und Co. haben verstanden. Sie müssen was tun. Sie werben also – und zwar in Zukunft gemeinsam, als eine Regierung mit sieben Ministerien. Die Zeiten, da jedes Ressort auf Jobmessen mit eigenen Ständen präsent war und man sich wechselseitig Konkurrenz machte, sollen vorbei sein.

Gut 10.000 Stellen im Landesdienst werden bis 2023 wieder besetzt werden müssen. Die Pensionierungswelle rollt und droht manche Amtsstube, manches Polizeirevier oder Lehrerzimmer zu überrollen, wenn Nachwuchs nicht rechtzeitig rekrutiert wird. Die Folgen kann sich jede(r) ausmalen: Den Steuerbescheid gibt’s dann eben erst noch ein paar Monate später als bisher. Die Planung der lange überfälligen Umgehungsstraße dauert noch ein paar Jahre länger, weil Ingenieure in der Verwaltung fehlen. Großprojekte bleiben liegen, weil kein Amtsträger da ist, der eine Ausschreibung noch rechtssicher abwickeln kann.

Zugegeben: Weil der Haushalt klamm ist, haben die Landesregierungen der vergangenen zwei Jahrzehnte ihren Beschäftigten Opfer abverlangen müssen. Für Beamte gibt es die 41-Stunden-Woche, dafür kein Weihnachts- und Urlaubsgeld mehr. Die letzte Gehaltserhöhung kam buchstäblich nur mit Glück – weil Schleswig-Holstein ein paar Zensus-Millionen extra einstreichen konnte.

Dennoch, dies belegen Befragungen zum Berufsbild des öffentlichen Dienstes: Ein Job im Amt steht bei Jugendlichen weiter hoch im Kurs. Der Arbeitsplatz ist sicher, gute Weiterbildungsmöglichkeiten sind garantiert. Kaum anderswo lassen sich Beruf und Familie so gut unter einen Hut bringen wie im öffentlichen Dienst. So schlecht also sind die Karten für Vater Staat nicht im Wettbewerb um die besten Köpfe.

zur Startseite

von
erstellt am 29.01.2014 | 06:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert