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Streit um Lehrerausbildung : Grüne rücken von Ministerin Wende ab

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Konfrontation oder Kompromiss? Das Tauziehen um die künftige Lehrerausbildung geht weiter. Mit Rückendeckung des Regierungschefs hält die Bildungsministerin an ihrem Kurs fest. Die Grünen sehen Änderungsbedarf und die FDP legt einen Gesetzentwurf vor.

shz.de von
erstellt am 07.Mai.2014 | 16:25 Uhr

Kiel | Der Konflikt um die Reform der Lehrerausbildung droht zur Belastung für die Küstenkoalition zu werden. Die Grünen rückten gestern offen von dem Gesetzentwurf der Landesregierung ab. Ihr Wunsch sei es, dass die Ausbildung von Lehrkräften für die Mittelstufe möglich bleibe, sagte Landeschefin Ruth Kastner in Kiel.

Wissenschaftsministerin Waltraud Wende (parteilos) dagegen bekräftigte ihre Position, an der Reform zum Sekundarlehrer für die Klassen fünf bis 13 festzuhalten: „Alle Lehrerinnen und Lehrer müssen so ausgebildet werden, dass sie Schülerinnen und Schüler zum Abitur führen können“, sagte Wende. Rückendeckung dafür hatte die Ministerin zuvor von Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) erhalten.

Kastners „Wunsch“ liegt in Teilen auf der Linie des Präsidiums der Universität Kiel. Danach soll die Uni Flensburg wie bisher Lehrer für die Sekundarstufe I (Klasse fünf bis zehn) ausbilden, sowie in sieben geisteswissenschaftlichen Fächern auch für die Oberstufe. Nach dem Bachelor-Studium von drei Jahren könnten Studierende in diesem Modell entscheiden, an einer der beiden Hochschulen den Master zu machen.

Kastner knüpfte die Zustimmung ihrer Partei zu dem Gesetzentwurf zugleich an die Bedingung, dass die Regierung die Finanzierbarkeit des Vorhabens nachweist. Im Zuge der Beratung der Novelle  müssten zudem „noch Änderungen möglich“ sein.  

SPD-Fraktionschef Ralf Stegner wollte Kastners Äußerungen nicht kommentieren. Gemeinsam mit den Koalitionspartnern von Grünen und SSW wolle man sich noch in dieser Woche auf das weitere Vorgehen verständigen, sagte Stegner. Aus Koalitionskreisen hieß es, im Mittelpunkt der Beratung stehe die offene Finanzierungsfrage der Reform.

Wende glaubt, die Uni Flensburg mit Investitionen von 1,2 Millionen Euro für die Lehrerbildung auf Oberstufenniveau fit machen zu können. Die Uni Kiel geht von bis zu 65 Millionen Euro aus. Hinzu kämen Kosten für Personal und laufende Sachausstattung, die deutlich über den von Wende veranschlagten 1,35 Millionen Euro jährlich liegen würden.

Nach Einschätzung des Berliner Hochschulberatungsinstituts CHE kann mit den 1,35 Millionen Euro pro Jahr eine Lehramtsausbildung in 13 Fächern an der Flensburger Universität aber nicht betrieben werden. Der Geschäftsführer des Instituts, Christian Berthold, sagte dem NDR: „Mit dieser Summe kann ich für jedes der angestrebten Fächer einen Professor und einen halben Mitarbeiter bezahlen. Aber allein um ein Fach wie Geschichte in der erforderlichen Tiefe unterrichten zu können, brauche ich mindestens drei Professoren.“

Heute wird Wende im Bildungsausschuss des Landtags Rede und Antwort stehen müssen. Der Wind, der der parteilosen Wissenschaftlerin dabei entgegenschlagen wird, dürfte eisig sein. Die Piraten wollen Wende mit ihrem Gesetzentwurf nach Hause schicken, pochen auf eine beratungsfähige Vorlage. Die CDU fordert, dass der Landtag die von Wende geplanten Doppelstrukturen zur Lehrerausbildung in Kiel und Flensburg ablehnt. „Dieser fatale Irrweg muss gestoppt werden“, sagte der Hochschulexperte Daniel Günther. Flensburg solle Lehrer für Grundschulen und für die Sekundarstufe I ausbilden und Kiel die Gymnasiallehrer.

Das will auch die FDP, die dazu einen Gesetzentwurf vorlegte. Fraktionsvize Christopher Vogt hält nach dem „Schiffbruch der Landesregierung“ einen Neustart für nötig. Vogt warnte die Koalition davor, die Reform wie geplant vor der Sommerpause „durchs Parlament zu prügeln“. Wer das tue, versündige sich am Hochschulstandort Schleswig-Holstein.

Besorgte Reaktionen kamen angesichts des Dauerkonflikts von den Gewerkschaften. DGB-Chef Uwe Polkaehn forderte alle Beteiligten zur Deeskalation auf. „Findet einen Kompromiss“, mahnte Polkaehn. Ähnlich der GEW-Vorsitzende Matthias Heidn: „Statt Kriegsrhetorik und Lokalpatriotismus brauchen wir mehr Diplomatie und Kompromissfähigkeit“.

Nie war der Druck auf die Regierung  Albig so hoch wie heute. Wie groß das Risiko sei, dass Wende und Albig am Ende beschädigt dastehen könnten? Das weiß auch Kastner nicht so genau und gibt sich einsilbig: „Abwarten“. 

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