Neumünster : Gewalt im DaZ-Zentrum: Schulrat erklärt, was er dagegen tun will

Gewalt ist an den Schulen an der Tagesordnung - laut Lehrergewerkschaft sei auch die Polizei häufig vor Ort.

Gewalt ist an den Schulen an der Tagesordnung - laut Lehrergewerkschaft sei auch die Polizei häufig vor Ort.

Schulrat Jan Stargardt äußert sich erneut über die unhaltbaren Zustände am DaZ-Zentrum in Neumünster.

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19. Januar 2017, 15:02 Uhr

Neumünster | Im Fall der Gewalteskalation an einer DaZ-Schule in Neumünster hat der zuständige Schulrat, Jan Stargardt, auf die Berichterstattung reagiert. In einer Pressemitteilung des Kieler Bildungsministeriums heißt es, Stargardt habe nach vielen Gesprächen mit Schulen aller Schularten und mit dem Schulträger bereits vor Bekanntwerden der Probleme Maßnahmen ergriffen, die angespannte Situation wegen einer sehr hohen Auslastung der Schulen in Neumünster zu entspannen.

Lehrer hatten sich zuvor über unhaltbare Zustände beklagt. Sie seien mit Tischen beworfen, beschimpft, beklaut und beleidigt worden. Der Staatssekretär im Bildungsministerium Dirk Loßack erklärte am Donnerstag, er habe erst am Vortrag von dem Brandbrief der Lehrer erfahren.

Stargardt informierte inzwischen über Maßnahmen, mit denen gegen die Gewalt an der Schule vorgegangen werden soll:

  • Zur gerechteren Verteilung der Schüler nichtdeutscher Sprache wird die Zahl an DaZ-Zentren in der Sekundarstufe I zum Februar 2017 von zwei auf fünf erhöht. Die Standorte seien die Wilhelm-Tanck-Schule, Hans-Böckler-Schule, Helene-Lange-Schule, Immanuel-Kant-Schule und die Freiherr-vom-Stein-Schule.
  • Zeitnah werde mit der Gemeinschaftsschule Faldera eine Gemeinschaftsschule mit Oberstufe starten. Der Schulrat strebt den 1. April 2017 an.
  • Bereits zum 1. August 2016 sei die Zahl der DaZ-Zentren in der Primarstufe von drei auf acht erhöht worden.
  • Zum 1. August 2017 werde die Zahl der Standorte weiter erhöht. So hat bereits die Klaus-Groth-Schule (Gymnasium) ihr Interesse bekundet.
  • Dem Schulamt Neumünster seien zusätzliche 6,25 Planstellen für DaZ zum 1. Februar 2017 zugewiesen worden. „Dieses ermöglicht eine angemessene Lehrerversorgung bei der Einrichtung neuer DaZ-Zentren“, betont der Schulrat. Die Stellen befinden sich noch in der Ausschreibung.
  • Die Helene-Lange-Regionalschule laufe geplant aus, daher gebe es immer weniger Regionalschülerinnen und -schüler bei gleichzeitigem Zuwachs in den DaZ-Klassen. Um diese Situation zu verändern, findet zum 1. Februar 2017 eine Umverteilung der Schülerinnen und Schüler der Basisstufe auf die neu eingerichteten DaZ-Zentren statt.
  • Zudem werden seit dem 9. Januar 2017 bereits zwei Sprachlotsen (rumänisch, zweimal pro Woche für zwei Stunden) eingesetzt. „Diese Maßnahme ist erfolgreich gestartet“, sagt Stargardt.
  • Es gebe Elterngespräche mit Dolmetschern, die immer beliebter würden.
  • Kurzfristig sollen auch eine Bildungsberaterin/ein Bildungsberater für Sinti und Roma an zunächst zwei Tagen in der Woche eingesetzt werden.
  • „Es gibt eine sehr enge Zusammenarbeit von Helene-Lange-Schule und Schulamt, schulischer Erziehungshilfe, Polizei und weiterer außerschulischer Partner“, hebt der Schulrat hervor.
  • Die Kreisfachberaterin für DaZ habe ihren Arbeitsplatz direkt an der Schule und unterstütze das Kollegium in fachlicher Hinsicht. Stargardt betont, dass es bei den aktuellen Problemen weniger um Gewalt von Schülerinnen und Schülern gegen Lehrkräfte gehe, vielmehr seien abweichendes Verhalten (Schulabsentismus, keine Hausaufgaben, verbale Entgleisungen) ein Problem, das von Eltern/Vätern eher mitgetragen als problematisiert werde. Zudem bestünden erhebliche Konflikte zwischen Familien, die teilweise im schulischen Umfeld ausgetragen würden.
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