Kiel : Geteilte Reaktionen auf Gesetz gegen Ärztemangel

Lob aus Schleswig-Holstein, harsche Kritik aus Hamburg: Bei den Kassenärztlichen Vereinigungen stößt das geplante Gesetz gegen Ärztemangel auf verschiedenste Reaktionen.

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04. August 2011, 08:18 Uhr

Bad Segeberg/Hamburg | Bei den Kassenärztlichen Vereinigungen im Norden stößt das geplante Gesetz gegen Ärztemangel auf völlig unterschiedliche Reaktionen. Die Bundesregierung hat gestern gesetzliche Regelungen auf den Weg gebracht, um die medizinische Versorgung flächendeckend zu sichern. Junge Mediziner sollen dabei vor allem durch finanzielle Anreize aufs flache Land gelockt werden. Die Kassenärztliche Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH) befürwortet das geplante Gesetz, die in Hamburg (KVH) lehnt es dagegen ab - weil die "besondere Versorgungssituation der Gesundheitsmetropole Hamburg" übergangen werde.
Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) lobte, der Gesetzentwurf enthalte entscheidende Schritte zur Sicherstellung einer hochwertigen medizinischen Versorgung. "Mehr Flexibilität in der Bedarfsplanung und Anreize für die Mediziner zur Niederlassung in unterversorgten Regionen sind geeignete Maßnahmen zur dauerhaften Sicherstellung der ambulanten Versorgung."
"Wenn alle Benachteiligungen zusammenkämen, würde dies für Hamburg eine Ausdünnung der Praxen, sinkende Honorare und damit lange Wartezeiten bedeuten", teilte die KVH mit. Der stellvertretende Vorsitzende Walter Plassmann sagte: "Schon heute kann man als Landarzt in den östlichen Bundesländern deutlich mehr Geld verdienen als in Hamburg."
Nach Angaben der KVSH sind im Norden derzeit 21 Arztsitze unbesetzt, und zwar im dünn besiedelten Südwesten des Landes. Jeder vierte der 1900 Hausärzte ist über 60 Jahre alt; rund 900 werden in den nächsten fünf Jahren in den Ruhestand gehen. Es rücken aber nicht genügend nach, um sie alle zu ersetzen. Dass künftig auch das Land bei der Bedarfsplanung mitreden soll, lehnt aber auch die KVSH ab. Wie bisher sollte allein die Selbstverwaltung zuständig bleiben, also Kassen und Ärztevertretung.
(lno, shz)

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