Streit in SH : Geplante Pferdesteuer in Groß Rönnau sorgt für Ärger

Groß Rönnau wäre in SH die erste Kommune, die eine derartige Steuer erhebt. Die Bürgermeisterin verteidigt die Pläne.

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10. Juli 2015, 09:57 Uhr

Gross Rönnau | Er hat es in sich – der Tagesordnungspunkt 5 der Gemeindevertretersitzung am kommenden Dienstag in Groß Rönnau (Kreis Segeberg). „Beratung und Beschlussfassung über die Erhebung einer Pferdesteuer“ heißt es dort. Nun steht bei Bürgermeisterin Gesche Gilenski das Telefon nicht mehr still.

Sie wisse zwar, dass es anlässlich solcher Vorschläge an anderen Orten im Land heftigsten Widerstand bis hin zu Morddrohungen gegeben habe, so Gilenski. „Aber dass es bei uns solche Wellen schlägt, habe ich nicht geahnt.“ Dabei gehe es ihr nicht um eine Beschlussfassung. „Wir wollen gemeinsam sachlich mit allen Beteiligten diskutieren – einen Beschluss gibt es sicherlich noch nicht.“

Einschüchtern lasse sie sich jedoch nicht, Fakt sei, dass sich bei ihr ständig Leute über Pferdeäpfel auf Straßen und Wegen beschwerten. „Es nimmt überhand, und einige schwarze Schafe, die nur sehr schwer herauszupicken sind, sind uneinsichtig.“

Zudem höre sie von vielen Leuten die Frage, warum es zwar eine Hundesteuer gebe – aber keine Pferdesteuer. „Hier muss gerecht vorgegangen werden. Wenn Hunde besteuert werden, dann muss dies auch für Pferde gelten.“

Die Abgabe solle auf einen zweistelligen Betrag pro Jahr begrenzt werden. Groß Rönnau wäre in Schleswig-Holstein die erste Kommune, die eine derartige Steuer erhebt. „Aber ich weiß, dass auch andere Kommunen das planen.“ Die hätten eben Angst vor der Öffentlichkeit, wollten aber nachziehen.

„Die Einführung einer Pferdesteuer wäre eine Katastrophe und würde meine Existenz bedrohen“, sagt Anja Tiedemann. Sie betreibt einen Reiterhof im Ort mit 15 eigenen Pferden und 15 Pensionspferden und gibt dort Reitunterricht für Kinder. Tiedemann befürchtet, dass die Steuer ihren Betrieb unrentabel machen könnte und die Einsteller abwandern. Man bestrafe die Falschen. Ihre Pferde und jene des zweiten Pferdehofs vor Ort würden kaum das Gelände verlassen, da es genug Attraktionen wie Reithalle und Reitplatz gebe. „Es sind eher die externen Hobbyreiter, die ihren Mist auf den Straßen nicht wegmachen.“

Auch Dieter Medow, Vorsitzender des Pferdesportverbands Schleswig-Holstein, lehnt eine Steuer ab. „Es geht darum, den Kindern und Jugendlichen soziale Kompetenz und Verantwortungsgefühl im Umgang mit Tieren zu vermitteln. Viele Einsteller sparen sich das Geld vom Mund ab, die müssten letztlich alle mehr bezahlen.“ In Hessen sei die Steuer in drei Kommunen eingeführt worden. „Die Leute verlassen die Ställe, ein Reitverein musste bereits Konkurs anmelden.“ Die Einführung einer Hundesteuer habe schließlich auch nicht die Hundehaufen auf den Straßen beseitigt. Wichtiger sei es, an die Reiter zu appellieren, die Hinterlassenschaften ihrer Pferde zu beseitigen.

Ein Vergleich mit Hunden ist nicht angebracht, sagt Christian Stölting, Kreisvorsitzender des Gemeindetages Segeberg. „Es gibt viel mehr Hunde als Pferde.“ Pferdebesitzer ritten zudem mehr im Außenbereich auf abgelegenen Feld- und Waldwegen, während Hunde auf den Straßen ihre Haufen setzten.

Selbst Gesche Gilenski hätte gern eine andere Lösung „statt mit der Peitsche“, wie sie sagt. „Eine Steuer bedeutet Bürokratie und bringt viel Schreibkram mit sich.“  

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