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Kommentar zum Ärztemangel : Geordneter Rückbau

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Ärztemangel an der Westküste zeigt: Der demografische Wandel hat Schleswig-Holstein längst erreicht. Ein Kommentar von Helge Matthiesen.

Es ist einen Versuch wert, Hausärzte direkt bei der Gemeinde anzustellen, um auf diese Weise der drohenden Unterversorgung zu begegnen. Den Kommunen in Dithmarschen, die diesen Weg beschreiten wollen, muss man Erfolg wünschen. Es geht immerhin um eine wichtige Zukunftsfrage. Ohne Ärzte droht den Orten ein heftiger Verlust an Lebensqualität. Fachkräfte werden sich kaum für einen Ort entscheiden, wo der Hausarzt 40 Kilometer entfernt ist. Mediziner und auch Kliniken werden zu Standortfaktoren, wenn es sie nur noch vereinzelt gibt. Das gilt auch für den Fremdenverkehr. Was wird aus richtungweisenden Gedanken, Schleswig-Holsteins stagnierende Wirtschaft mit Hilfe des Gesundheitstourismus auf die Beine zu bringen? Das sind kühne Unterfangen, wenn es schon an Hausärzten fehlt.

Im Kern dreht sich das Problem um den demografischen Wandel, der längst da ist und dessen Folgen schon heute spürbar werden. Dithmarschen ist ein wenig früher dran als andere Landstriche. Wer genau hinschaut, muss feststellen, dass es auch beim Streit um die Zukunft der Geburtshilfe auf Sylt oder bei der Debatte um die Versorgung psychisch Kranker im Nordosten des Landes um immer die gleiche Thematik geht: Wie bekommt man junge Ärzte dorthin, wo die Patienten sind? Oder wie bekommt man die Patienten dorthin, wo die Ärzte sich niedergelassen haben?

Einfache Antworten gibt es offenkundig nicht. Es wäre jedoch unverantwortlich, wenn die Landesregierung das Problem den betroffenen Kommunen allein überließe. Experimentierfreude ist ein Schritt in die richtige Richtung. Sie kann jedoch nicht das Ende der Bemühungen sein.

Das Land braucht eine Strategie, wie es mit den demografischen Veränderungen umgehen will. Es gilt Abschied zu nehmen von einer medizinischen Versorgung, die es so in Zukunft nicht mehr geben kann. Das wird nicht ohne Schmerzen gehen, die eine kluge Politik vielleicht ein wenig lindern hilft.

Abschiednehmen heißt es auch in vielen weiteren Bereichen wie bei den Schulen, den Vereinen, der Nahversorgung oder der öffentlichen Sicherheit. Es geht um die unpopuläre Vision eines geordneten Rückbaus. Ministerpräsident Albig ruft zu Regionalkonferenzen auf, die eine Entwicklungsstrategie entwickeln sollen. Das ist der lobenswerte Anfang eines langen Weges.

 

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