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Bundestagswahl : Generationswechsel bei Abgeordneten aus SH

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Zwei altgediente Politiker scheiden aus dem Bundestag aus - zwei junge Kräfte ziehen ziemlich sicher ein. Sie könnten den Altersdurchschnitt kräftig senken.

shz.de von
erstellt am 08.Aug.2013 | 01:20 Uhr

Berlin | Zusammen haben die beiden ein halbes Jahrhundert Bundestagserfahrung auf dem Buckel - doch die geht dem Parlament jetzt verloren: Die zwei dienstältesten schleswig-holsteinischen Abgeordneten treten zur Bundestagswahl am 22. September nicht wieder an. Der CDU-Politiker Wolfgang Börnsen aus Bönstrup bei Flensburg hört nach 26 Jahren im Hohen Haus auf, sein FDP-Kollege Jürgen Koppelin aus Bad Bramstedt nach 23 Jahren.
"Ich werde bald 68 - da brauche ich keinen Arbeitstag mehr von 7 bis 23 Uhr", begründet Koppelin seinen Rückzug. Nur noch bei seinen künftigen Vorlesungen an der Universität Bangkok will er sich nach der Wahl mit Politik beschäftigen. Der 71-jährige Börnsen hört dagegen auf, um weiter im Parlamentsumfeld tätig zu bleiben: "Ich will in Berlin eine Weiterbildungsakademie für Berufspolitiker auf die Beine stellen", kündigt er an.

Luise Amtsberg hat sicheren Platz

Börnsen und Koppelin hören nicht nur gemeinsam auf, sie haben auch sonst manches gemeinsam. Beide sprechen gern Plattdeutsch, beide haben ein Herz für die Kultur. Vor allem für Musik, Museen und Minderheiten im Norden haben sie daher im Bundestag viel erreicht, manchmal sogar im Zusammenspiel. Börnsen kam sein Posten als kulturpolitischer Sprecher der Union zugute, Koppelin sein Amt als zeitweiliger FDP-Parlamentsgeschäftsführer und sein Einfluss als langjähriger und gewiefter Haushaltspolitiker. Doch jetzt, sagt der frühere Landeschef der Liberalen, "muss ein Generationswechsel erfolgen".
Und der wird kommen. Denn gleich mehrere junge Kandidaten aus Schleswig-Holstein haben gute Chancen, erstmals den Einzug in den Bundestag zu schaffen und den relativ hohen Altersdurchschnitt der Nord-Parlamentarier von 54,5 Jahren zu senken - allen voran die grüne Spitzenkandidatin Luise Amtsberg. Dank Listenplatz eins ist ihr der Sprung nach Berlin sicher. Die 28-jährige Kielerin, die sich besonders für Flüchtlingspolitik engagiert, wird dann jüngste Abgeordnete aus dem nördlichsten Bundesland sein.

Mark Helfrich hat gute Aussichten

Gute Aussichten hat außerdem Mark Helfrich. Der 34-jährige Christdemokrat hat im Wahlkreis Steinburg-Dithmarschen-Süd den etablierten CDU-Abgeordneten Rolf Koschorrek (57) bei der parteiinternen Nominierung aus dem Rennen geworfen. Nun tritt Helfrich mit besten Chancen auf das Direktmandat in dem zuletzt von der Union beherrschten Wahlkreis an. Im Bundestag will er vor allem für den Weiterbau der A20 kämpfen. Koschorrek dagegen scheidet aus - anders als Börnsen und Koppelin nicht freiwillig. Dem Gesundheitspolitiker wurde zum Verhängnis, dass er sich an der Basis zu wenig blicken ließ und zu viel Zeit für seine zahlreichen Nebentätigkeiten aufwandte.
Schließlich kann sich auch die 41-jährige Sozialdemokratin Nina Scheer Hoffnungen auf den Bundestag machen. In ihrem Wahlkreis Lauenburg-Stormarn-Süd liegt zwar meist die CDU vorn. Doch Listenplatz sechs bei der SPD könnte ihr reichen, wenn die Partei diesmal etwas besser abschneidet als beim letzten Mal. Scheer ist die Tochter des vor drei Jahren gestorbenen Energie-Experten und alternativen Nobelpreisträgers Hermann Scheer und als Geschäftsführerin des Wirtschaftsverbands "Unternehmensgrün" ebenfalls umweltpolitisch aktiv.
Ausgerechnet in Koppelins FDP bleibt ein echter Generationswechsel dagegen aus: Zwar scheidet neben dem ehemaligen Spitzenkandidaten Koppelin wohl auch die erfahrene Agrarexpertin Christel Happach-Kasan (63) nach elf Jahren aus dem Bundestag aus. Sie kandidierte bei der vergangenen Wahl auf Platz zwei der FDP-Liste, steht diesmal aber nur auf dem fast chancenlosen vierten Platz. Doch die neuen Kandidaten auf den ersten beiden Rängen sind die Alphatiere Wolfgang Kubicki und Bernd Buchholz - und die sind auch schon 61 beziehungsweise 51 Jahre alt.

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