Energieministerium : Genehmigung für Abriss des Akw Brunsbüttel rückt näher

Soll weg: Das Atomkraftwerk in Brunsbüttel.
Soll weg: Das Atomkraftwerk in Brunsbüttel.

Das Atomkraftwerk Brunsbüttel soll abgerissen werden. Der Abbau kann bis zu 20 Jahre dauern.

shz.de von
29. Oktober 2018, 08:03 Uhr

Kiel/Brunsbüttel | Eine der weitreichendsten Entscheidungen in der Atomgeschichte Schleswig-Holsteins wird derzeit im Energieministerium vorangetrieben. Das Ressort will noch in diesem Jahr die atomrechtliche Genehmigung zur Stilllegung und zum Abbau des Kernkraftwerks Brunsbüttel erteilen, wenn alle Prüfungen rechtzeitig beendet werden können. Der Reaktor an der Elbemündung soll als erster der drei Atommeiler im Norden abgerissen werden.

Jan Philipp Albrecht
dpa
Jan Philipp Albrecht
Das ist der nächste große Schritt auf dem Weg zum tatsächlichen Ende der Atomenergie in Schleswig-Holstein. Jan Philipp Albrecht (Grüne)

Damit werde in Schleswig-Holstein der Ausstieg aus der Atomenergie endlich konkret umgesetzt. „Der Strahlenschutz steht allerdings auch bei der Stilllegung und dem Abbau eines Kernkraftwerks immer im Vordergrund“, betonte der Ressortchef. „Das erklärt auch, warum sich ein solch umfangreiches Verfahren über mehrere Jahre erstreckt und es noch eine Weile dauert, bis die grüne Wiese für jedermann sichtbar wird.“

Krümmel in Geesthacht ist auch vom Netz und soll zurückgebaut werden.

Der Energiekonzern Vattenfall muss das Kernkraftwerk Krümmel am Elbufer bei Geesthacht zurückbauen.
Timo Jann
Der Energiekonzern Vattenfall muss das Kernkraftwerk Krümmel am Elbufer bei Geesthacht zurückbauen.

Brokdorf stellt die Atomstromproduktion Ende 2021 endgültig ein. Außerdem sollen hier weitere Castoren zwischengelagert werden.

Der komplette Rückbau in Brunsbüttel soll irgendwann in den Dreißigerjahren so weit sein. Bei anderen Anlagen hat der Abbau insgesamt 15 bis 20 Jahre gedauert. Das Ministerium in Kiel geht für Brunsbüttel von einem vergleichbaren Zeitraum aus.

Die Akw-Betreiberin, Gesellschafter sind Vattenfall (66,7 Prozent) und PreussenElektra (33,3), hat nach Ministeriumsangaben in Aussicht gestellt, schon während der ersten Abbauphase die zweite und letzte Phase zu beantragen. Innerhalb der zweiten Phase sollen besonders der Reaktordruckbehälter und das sogenannte biologische Schild abgebaut werden. Am Ende dieser Phase werden die dann noch vorhandenen Gebäudeteile und das Betriebsgelände aus dem „atomrechtlichen Aufsichtsregime“ entlassen. Was dann noch bis zur „grünen Wiese“ zu erledigen ist, geschieht auf Grundlage der allgemeinen rechtlichen Bestimmungen.

Dem Ministerium liegt auch ein Antrag der Betreiberin auf Lagerung von schwach- und mittelradioaktiven Abfällen in einem noch zu errichtenden Lager am Standort vor. Dieses Lager ist erforderlich, da ein Endlager für die beim Abbau anfallenden Abfälle noch nicht zur Verfügung steht. Über diesen Antrag will das Ministerium nach bisherigem Stand im nächsten Jahr entscheiden.

20.000 bis 30.000 Tonnen schwach radioaktive Abfälle

Das Kraftwerk in Brunsbüttel hat eine Masse von ungefähr 300.000 Tonnen. Rund 90 Prozent davon sind „Bauschutt“ und gelten als unbelastet. Dazu gehören Gebäude, Fundamente und Rohrleitungen, die weitab vom Reaktor liegen. Rund weitere 20.000 bis 30.000 Tonnen schwach radioaktive Abfälle sollen „dekontaminiert“ werden, zum Beispiel durch Abschrubben, Abfräsen, Abspülen mit Zitronensäure oder reinigen mit einem Hochdruckreiniger. Von atomar strahlenden Brennelementen ist das Reaktorgebäude bereits seit über einem Jahr frei.

Deutschland muss noch fünf Castoren aus La Hague aufnehmen und 21 aus Sellafield. Es handelt sich um Atommüll aus Deutschland, der in den Wiederaufarbeitungsanlagen in Frankreich und England aufgearbeitet wurde. Die fünf Castoren mit mittelradioaktiven Abfällen aus La Hague kommen laut König nach Philippsburg (Baden-Württemberg), und 21 mit hochradioaktiven Abfällen werden verteilt auf die Standorte Brokdorf, Isar (Bayern) und Biblis (Hessen).

Atomare Zwischenlager auf 40 Jahre angelegt

Das Zwischenlager in Brokdorf wird Anfang 2019 übergehen in die Verantwortung der vom Bund gegründeten „BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung“. Sie wird künftig alle zwölf Zwischenlager mit ausgedienten Brennelementen und die zwölf Lager mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen der deutschen Kernkraftwerke führen. Das Zwischenlager Brokdorf hat eine Genehmigung für 100 Castoren. Bisher lagern dort nach Angaben der Atomaufsicht in Kiel 30 Castoren. Der Transport von sieben Castoren mit wiederaufbereitetem hochradioaktiven Atommüll von England nach Brokdorf (Kreis Steinburg) wird frühestens 2020 erfolgen.

Die atomaren Zwischenlager sind in Deutschland auf 40 Jahre angelegt. Im Rahmen eines aufwendigen Verfahrens soll bis 2031 der Standort für das atomare Endlager in Deutschland feststehen – und Mitte des Jahrhunderts soll es in Betrieb gehen.

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