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Kosten für Gemeinschaftsschulen : Gemeinden lehnen Schulgesetz ab

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Alle Regionalschulen in Schleswig-Holstein müssen nach dem neuen Schulgesetz bis zum 1. August 2014 in Gemeinschaftsschulen umgewandelt werden. Die Kosten tragen die Gemeinden. Eine Zumutung, sagt der Geschäftsführer des kommunalen Landesverbandes, Jörg Bülow.

Schleswig-Holsteins Gemeinden laufen Sturm gegen die Pläne für das neue Schulgesetz. Die vom Kabinett beschlossene Reform lasse „alle wichtigen Probleme ungelöst“, sagte der Geschäftsführer des kommunalen Landesverbandes, Jörg Bülow, in Kiel.

Das Problem: Die Gemeinden sind die wichtigsten Schulträger und damit auch finanziell verantwortlich für die Unterhaltung „ihrer“ Schulen. Nach den Plänen der Regierung müssen alle Regionalschulen bis zum 1. August 2014 in Gemeinschaftsschulen umgewandelt werden. „Das belastet die Schulträger mit neuen Kosten, etwa für den Aufbau von Ganztagsangeboten, erfolgt überstürzt und zu unfairen Bedingungen“, sagte Bülow. Und: Eine Zumutung für Eltern wie Schulträger sei es, dass die Umwandlung der Regionalschulen schon während des Gesetzgebungsverfahrens stattfinden müsse. Bülow rechnet mit einer Bekanntmachung des Gesetzes erst im Frühjahr 2014. Zum selben Zeitpunkt müssen sich Eltern aber bereits für eine weiterführende Schule entscheiden. Damit sei keine Zeit für eine hinreichende Profilierung der neuen Gemeinschaftsschulen.

Der sofortige Aufnahmestopp bei Unterschreiten der Mindestschülerzahlen steigere zudem die Gefahr von Schulschließungen, warnt Bülow. Landesweit erreichen zwölf Regionalschulen schon jetzt nicht mehr die Mindestzahl von 240 Schülern. Ihnen droht die Schließung, fünf weitere Regionalschulen sind gefährdet.

Was bedeutet das zweigliedrige Schulsystem für die Regionalschulen?

Nach der Grundschule können Schüler nur noch zwischen Gemeinschaftsschulen und Gymnasien wählen. Nach Ministeriumsangaben werden 36 der derzeit noch landesweit 47 Regionalschulen zum 1. August in Gemeinschaftsschulen umgewandelt. Sieben Schulen nehmen keine Schüler mehr auf und laufen aus, vier Schulen liegen unter der Mindestschülerzahl von 240 Schülern und werden aufgelöst.

 

Welche Schulabschlüsse gibt es künftig?

Der Hauptschulabschluss und die Mittlere Reife (Realschulabschluss) werden abgeschafft. Stattdessen wird an Gemeinschaftsschulen nach neun Jahren die „Berufsbildungsreife“ erreicht, nach zehn Jahren der „Mittlere Abschluss“ und das Abitur nach 13 Jahren - also neun Jahre nach der Grundschule.

 

Gemeinschaftsschule oder Gymnasium - wer entscheidet das?

Die Eltern. Die bisher verbindliche Schulartempfehlung nach Klasse vier entfällt. Stattdessen gibt es ein obligatorisches Beratungsgespräch. Welche weiterführende Schule das Kind besucht, entscheiden allein die Eltern, unabhängig von der Leistung ihrer Kinder.

G8, G9 oder Y? Wann machen die Schüler Abitur?

Das Abitur wird in der Regel nach acht Jahren (G8) erworben. Bestandsschutz erhalten die landesweit elf Gymnasien mit neunjährigem Bildungsgang und die vier Gymnasien, die G8 und G9  als sogenanntes Y-Modell anbieten.

Sind Kooperationen von Gemeinschaftsschulen und Gymnasien möglich?

Ja. Gemeinschaftsschulen ohne eigene Oberstufe können mit Gymnasien, mit Beruflichen Gymnasien oder mit Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe eine Kooperation vereinbaren. Schüler kennen dann schon frühzeitig ihre jeweilige künftige Oberstufe.

Was sind „Flexi-Klassen“?

Es soll keine abschlussbezogenen Klassenverbände mehr geben. Eine Ausnahme gibt es: Langsamer lernende Schüler können den Stoff der letzten beiden Schuljahre für den Hauptschulabschluss in drei Jahren im Klassenverband machen - in sogenannten „Flexi-Klassen“. Der Unterricht an Gemeinschaftsschulen findet in binnendifferenzierender Form statt. Ab Jahrgangsstufe 7 sind Lerngruppen in einzelnen Fächern - etwa Mathematik, Deutsch oder Englisch - nach Leistungsfähigkeit möglich.

Gibt es auch Gymnasien und Gemeinschaftsschulen unter einem Dach?

Ja. Bisher sind landesweit sechs Gymnasien und Regionalschulen organisatorisch verbunden - was sich laut Ministerium bewährt hat. Auch nach der Umwandlung der Regionalschulen in Gemeinschaftsschulen sollen deshalb diese mit den Gymnasien weiterhin unter einem Dach organisatorisch verbunden sein.

 

Ein Sprecher des Bildungsministeriums reagierte mit Unverständnis auf die Kritik des Gemeindetages. Die Gesetzespläne der Koalition seien seit einem Jahr in der Diskussion. Investitionen in den Erhalt der Attraktivität von Schulstandorten würden auch dann fällig, wenn es bei Regionalschulen bliebe.

Mit der vom Kabinett beschlossenen Gesetzesnovelle wird die Schullandschaft im Norden kräftig umgebaut. Nach der Grundschule wird es neben dem Gymnasium dann nur noch Gemeinschaftsschulen geben. Durchgängiges Unterrichtsprinzip in der Gemeinschaftsschule wird das längere gemeinsame Lernen sein, sagte Bildungsministerin Waltraud Wende.

Die Koalition lobte die Gesetzesvorlage als Ergebnis eines ausführlichen Dialogs mit allen Betroffenen. Kritik kam von der Opposition. Wende habe „keine Ahnung, wie sie die drängendsten Probleme an unseren Schulen in ihrer neuen Struktur lösen will,“ sagte die CDU-Abgeordnete Heike Franzen. Die FDP-Abgeordnete Anita Klahn nannte es „einfach nur bitter, wie die Ministerin geradezu beiläufig 17 Regionalschulen den Todesstoß gibt.“
 

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