Albig in Flensburg : Geld vom Land für Professorinnen und Europaforschung

Am Vormittag hatten Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) und seine Kabinettsmitglieder Schulen, soziale und kulturelle Einrichtungen und Unternehmen in der Region Flensburg besucht.
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Am Vormittag hatten Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) und seine Kabinettsmitglieder Schulen, soziale und kulturelle Einrichtungen und Unternehmen in der Region Flensburg besucht.

Die Hochschul- und Europapolitik hatte das Kabinett Albigs bei seinem Besuch in Flensburg auf der Agenda. Der Ort war passend gewählt: Erstmals tagte die Regierung in einer Hochschule. Geld gibt es für Professorinnen und Europaforschung.

shz.de von
05. November 2013, 18:15 Uhr

Flensburg | Schleswig-Holstein beteiligt sich mit 750.000 Euro an der Fortsetzung des Professorinnenprogramms von Bund und Ländern. Insgesamt stehen im Förderzeitraum 2013 bis Ende 2017 damit 1,5 Millionen Euro zur Verfügung, um zehn hoch qualifizierten jungen Frauen eine Professur im Norden zu ermöglichen, wie Wissenschaftsministerin Waltraud Wende (parteilos) am Dienstag nach einer auswärtigen Kabinettssitzung in Flensburg sagte. In der ersten Förderperiode seien acht junge Frauen über das Programm nach Schleswig-Holstein geholt worden. In Schleswig-Holstein sind nach Angaben Wendes nur 15 Prozent der Professoren weiblich. Damit belege das Land den letzten Platz unter den Bundesländern. Bundesweit betrage die Quote rund 20 Prozent.

Geld gibt es auch für die Einrichtung einer Professur für Europäische Medienwissenschaften, die zwar an der Fachhochschule Flensburg angesiedelt ist, aber auch an der Universität der Stadt lehren soll. Diese Professur werde von der Landesregierung mit 700.000 Euro für vier Jahre gefördert, sagte Wende. Darüber hinaus werde das Land die Universität bei ihrem Ziel, Europauniversität zu werden, unterstützen. Dazu gehöre der Aufbau von Forschungszentren für kleine und regionale Sprachen sowie für Europafragen. Auch die Einrichtung einer Professur für Minderheitenpädagogik sei geplant.

Was wird „europäischer“ an der Uni Flensburg?

Die Uni Flensburg will sich zu einer international ausgerichteten Europa-Universität weiterentwickeln. In 15 bis 18 Fächern sind englischsprachige Lehrveranstaltungen geplant. Die Uni konzipiert einen europäischen Bachelor-Studiengang: ein Jahr Studium in Deutschland, ein Jahr Studium in Dänemark - und ein Jahr Studium in einem weiteren europäischen Land. Der Fokus liegt dabei auf Polen und den baltischen Staaten. Parallel dazu möchte sich auch die Fachhochschule Flensburg stärker mit europäischen Themen befassen.

Welche Richtlinien muss eine Europa-Uni erfüllen?

Der Titel „Europa-Uni“ ist nicht geschützt, daher gibt es dafür auch keine Maßgaben. Vielmehr richten sich die Unis nach selbstauferlegten Zielen.

Gibt es dann mehr Geld für die Uni Flensburg?

Die Finanzierung der Hochschulen ist in Deutschland Ländersache. Es gibt also weder von der EU noch vom Bund mehr Mittel für eine Europa-Uni. EU-Förderungen gibt es aber für einzelne Projekte und den Studenten-Austausch, für die sich die Uni bewerben kann.

Wo gibt es bereits andere Europa-Unis?

Den Titel Europäische Universität tragen unter anderem die Hochschulen in Frankfurt an der Oder, Sankt Petersburg (Russland), Tirana (Albanien) und Lefke (Zypern).

Welche Erfahrungswerte gibt es?

Frankfurt an der Oder hat seit 1991 die Europa-Uni. Sie wurde als Brücke zwischen Deutschland und Polen, zwischen Westeuropa und dem Osten gegründet. Sie ist bundesweit die Hochschule mit dem größten Anteil an ausländischen Studenten.

Wann wird Flensburg zur Europa-Uni?

Die Uni mit noch internationalerer Ausrichtung könnte zum Wintersemester 2013/2014 starten, schätzt Professor Werner Reinhart.

 

Europaministerin Anke Spoorendonk (SSW) hob die besondere Bedeutung des Interreg-Programms der EU für die deutsch-dänische Zusammenarbeit hervor. Für die kommende Förderperiode erhält das Land rund 45 Millionen Euro für das deutsch-dänische Interreg-Programm aus den Mitteln für Deutschland. Das sind etwa zwölf Millionen Euro mehr als in der laufenden Periode. Die Entscheidung, wie die Mittel auf dänischer Seite aufgeteilt werden, steht noch aus.

Das Programm leiste eine unverzichtbare Unterstützung für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit und sei eine Stärkung der gesamten deutsch-dänischen Region, sagte Spoorendonk. Als Beispiel nannte sie die das Projekt „Wissensregion/Videnregion“, in dem seit 2008 Hochschulen aus Syddanmark, Flensburg und Kiel gemeinsam an grenzüberschreitenden Ausbildungsangeboten zusammenarbeiten.

Am Vormittag hatten Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) und seine Kabinettsmitglieder Schulen, soziale und kulturelle Einrichtungen und Unternehmen in der Region Flensburg besucht. Albig hat rund 50 Flensburger Bürger zu einem Abendessen mit den Kabinettsmitgliedern geladen. Der Ministerpräsident nannte es eine gute Tradition, dass diese Regierung einmal im Quartal außerhalb der Landeshauptstadt tage. Sie machten dies nicht, weil sie so gern reisten, sondern um vor Ort Gespräche zu führen und Probleme zur Kenntnis zu nehmen. „Diese Eindrücke kriegen sie nicht, wenn sie nur in Kiel bleiben.“ 

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