Wahlkampf im Norden : Geburtstags-Ständchen für die Kanzlerin

In St. Peter-Ording nimmt  die Bundeskanzlerin ein Bad in der Menge. Foto: Dewanger
In St. Peter-Ording nimmt die Bundeskanzlerin ein Bad in der Menge. Foto: Dewanger

Vor der Bundestagswahl reist die Kanzlerin zu den Urlaubern an die Nordsee: Für knapp 60 Minuten machte sie Wahlkampf in Schleswig-Holstein.

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21. Juli 2013, 04:24 Uhr

St. Peter-Ording | In anderen Jahren startet die Kanzlerin nach ihrem Auftritt vor der Bundespressekonferenz in die Ferien. Angesichts des Wahlkampfes packt Angela Merkel diesmal noch ein paar Termine obendrauf: Am Freitag im Zwei-Stunden-Takt auf Borkum, in Neuharlingersiel und St. Peter-Ording, am Montag auf dem Darß, auf Usedom und Rügen.
Gut 2000 Neugierige haben sich gegen 18 Uhr in St. Peter-Ording auf der Promenade versammelt. Obwohl es durchaus "windiger als bei den anderen ist", wie die Regierungschefin feststellt. Das Wahlkampfkonzept der CDU lässt diesmal mehr Platz auch für Merkel als Mensch. Und so gewinnt die von der Partei bestellte Moderatorin die Mehrheit der Besucher dafür, die Politikerin mit "Happy Birthday" zu begrüßen. Schließlich hat sie erst vor zwei Tagen Geburtstag gehabt.

"Ich schaff es halt"

Merkel lässt es sich gefallen, gibt sich aber sonst gewohnt unprätentiös. Auf die Frage, wie sie nur alles schaffe, was ihr abverlangt werde, meint sie nur trocken: "Ich schaff es halt." Bitte weiter im Programm. Das sieht zuvor gesammelte Fragen aus dem Publikum vor. Ob man statt über die Strom-Freileitung an der Westküste über ein Erdkabel reden könne, will der Vorsitzende der IG Baupflege Nordfriesland wissen. "In landschaftlich sensiblen Gebieten schon", aber es komme auf den Einzelfall an, lautet die Antwort. Ob das Erneuerbare-Energien-Gesetz nach der Wahl noch Anreize biete, damit in der Region 10.000 Bürger mehr Anteile an Windparks zeichnen? Das fragt einer der Wortführer der Szene. Merkel: Sie werde sich weiter dafür einsetzen, dass die Bürger etwas von der Energiewende haben.
Auch ihre gut 30-minütige Rede beginnt beim Thema Energie. Mit Blick auf die Banner der Bürgerinitiative gegen CCS erklärt sie: Sie wolle "beruhigend sagen", dass es für CCS gar keine Anträge gebe. "Und Sie dürfen darauf setzen, dass wir bei Fracking auch sehr zurückhaltend sein werden." Ansonsten: Bewusst ohne große Versprechungen, sondern mit der Stoßrichtung, nachdenklich zu stimmen, unternimmt Merkel eine Tour dhorizon über Herausforderungen der Epoche. Von demografischem Wandel bis zur Integration von Migranten, vom Spannungsverhältnis zwischen Sozialleistungen und Wachstum, von Bildung bis zu Datensicherheit. Um dabei mitzubestimmen, setzt sie auf europäische Innovationen im Netz.
Bis zum September möge man bitte behalten, was sie gesagt habe, wünscht sich Merkel und den Menschen einen schönen Urlaub. Beim Deutschland-Lied singen deutlich weniger mit als beim Geburtstagsständchen.

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