Zoff in Kiel : Gaschke greift Albig erneut an

Zu Gast bei der Talk-Show in Bremen: Susanne Gaschke.
Zu Gast bei der Talk-Show in Bremen: Susanne Gaschke.

Die Kieler Ex-Oberbürgermeisterin Susanne Gaschke sorgt mit einem Interview und ihrem TV-Auftritt für Wirbel. Sie erhebt erneut schwere Vorwürfe gegen die Landesregierung.

shz.de von
04. November 2013, 07:21 Uhr

Kiel | Die zurückgetretene Kieler Oberbürgermeisterin Susanne Gaschke (SPD)  hat  erneut schwere Vorwürfe gegen die Spitze  der Landes-SPD erhoben. In einem Interview mit dem  Nachrichtenmagazin „Spiegel“  kritisierte sie erneut Ministerpräsident Torsten Albig. Gaschke warf ihrem Amtsvorgänger im Kieler Rathaus vor, nicht zu seiner Mitverantwortung in dem umstrittenen Steuerfall des Klinik-Betreibers Detlef Uthoff gestanden zu haben.

Gaschke hatte per Eilentscheidung an der Ratsversammlung vorbei verfügt, Uthoff 3,7 Millionen Euro Zinsen und Säumniszuschläge zu erlassen. Im Gegenzug war Uthoff bereit, in Raten 4,1 Millionen Euro Gewerbesteuern für alte Immobiliengeschäfte zu zahlen.  Albig – so erklärt Gaschke in dem Interview –  habe den Fall in ähnlicher Weise lösen wollen: „Es war Torsten Albig, der spätestens 2011 einen Weg gebilligt hat, der nicht Vollstreckung hieß, sondern Vergleich.“ Während der Affäre um den Steuerdeal, der von der Kommunalaufsicht des Landes als rechtswidrig eingestuft worden ist, habe sie nicht begriffen, so Gaschke, „warum Albig mit aller Gewalt aus der Sache herausgehalten werden wollte“. Schließlich sei sie doch nur den von ihm eingeschlagenen Weg zu Ende gegangen.

Ohnehin empfinde sie die Entwicklungen der vergangenen Wochen „als Rückspiel“. Bereits bei ihrer Wahl zur Oberbürgermeisterkandidatin hätten Ministerpräsident Albig und SPD-Landeschef Ralf Stegner sie nicht gewollt. „Man darf ja nicht vergessen, dass die ganze Truppe, mit der ich da zu tun hatte, schon mal gegen mich stand – bei meiner Kandidatur: Albig, Stegner und auch die Leiterin der Kommunalabteilung im Innenministerium, die damals meine innerparteiliche Gegenkandidatin war. Die wollten mich nie.“ Gaschke räumte jedoch ein, dass ihre Entscheidung in dem Steuerfall wohl noch gestoppt worden wäre, wenn sie die Fraktionschefs der Kieler Ratsversammlung frühzeitig eingebunden hätte.

Bereits am Freitagabend  hatte Susanne Gaschke in der TV-Talkshow „3nach9“ erklärt,  sie sei „zu bockig“ gewesen und habe „es vergurkt“.  Dort stellte sie sich den Fragen des Moderators Giovanni di Lorenzo – der als Chefredakteur der „Zeit“ vor Gaschkes Wechsel ins Kieler Rathaus ihr Vorgesetzter war. Sie sei nicht verbittert, doch aktuell fühle sie sie sich „wie von einem Lastwagen überfahren“. Gaschke deutete an, ihre Erfahrungen in einem Buch zu verarbeiten. Di Lorenzo, der sich um Distanz zu seiner ehemaligen Untergebenen bemühte, konnte sich in dem Gespräch einen Seitenhieb auf Klinikchef Uthoff nicht verkneifen: „Die meisten von uns würden dem – von der Anmutung, von der Ausstrahlung her – nicht einmal eine Zwiebel borgen. Kein Sympathieträger,“ sagte er.

 
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