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Ex-Oberbürgermeisterin : Gaschke-Buch: Kiel rüstet sich für „Volles Risiko“

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Nächste Woche erscheint das Buch von Susanne Gaschke. Darin rechnet die Kieler Ex-Oberbürgermeisterin mit dem Politikstil in SH und in der Landeshauptstadt ab. In Kiel machen sich Rathausmitarbeiter deshalb Sorgen.

Kiel | Das Buch der Kieler Ex-Oberbürgermeisterin Susanne Gaschke (SPD) erscheint zwar erst nächste Woche, doch schon jetzt sorgt die politische Abrechnung unter dem Titel „Volles Risiko“ für Gesprächsstoff im Rathaus.

Stadtpräsident Hans-Werner Tovar (SPD) erklärte im Hauptausschuss: „So wie es sich in der bisherigen Berichterstattung liest, hat es den Anschein, als wenn jede Menge Menschen darin identifiziert werden können oder direkt benannt sind.“ Er forderte, sich schützend vor die Betroffenen zu stellen.

Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) bekräftigte: „Ich bin mir meiner Fürsorgepflicht durchaus bewusst und auch bereit, zu handeln, nachdem ich es gelesen habe.“ Kämpfer hat sich das Buch seiner Vorgängerin vorbestellt, will es ab 15. September mit Interesse lesen – „vielleicht kann ich ja etwas daraus lernen“. Der OB nehme die Sorgen der Rathausmitarbeiter ernst. Aber: „Ich gehe davon aus, dass in dem Buch die Grenzen des Anstands und des Rechts nicht überschritten werden.“ Deshalb sei vorab auch keine systematische rechtliche Prüfung der Aussagen über die Arbeit von Politik und Verwaltung geplant.

Gaschke rechnet in ihrem Buch mit dem Politikstil in Schleswig-Holstein und in Kiel ab. Sie sei Opfer einer Intrige geworden, gestürzt über eine zu schnelle Unterschrift, gedrängt durch den Kämmerer der Stadt einen Tag vor der Eröffnung der Kieler Woche 2012. Es ging um den Steuererlass für den wohlhabenden, stadtbekannten Chef der Augenklinik – Detlef Uthoff. 15 Jahre habe die Stadt bis dato auf das Geld gewartet, endlich sei zumindest die Gewerbesteuer (rund vier Millionen) in greifbarer Nähe, auf die Zinsen und Säumniszuschläge in Höhe von 3,7 Millionen müsse man im Gegenzug verzichten, so soll es der Kämmerer Wolfgang Röttgers laut „Spiegel“-Bericht schmackhaft gemacht haben.

Die amtsunerfahrene Gaschke erkannte hierin keine Fallstricke. Unterschrieb die Eilentscheidung, wenngleich sie nach 15 Jahren auch noch hätte bis zur nächsten Ratsversammlung warten können, um die Stadtvertreter in die wichtige Entscheidung mit einzubeziehen. Die „Affäre um den Steuerdeal“ kochte hoch – bundesweit. In der Folge hatte sie sich mit ihrem Vorgänger Albig überworfen, dem sie vorwarf, selbst in seiner Zeit als Oberbürgermeister von Kiel die Weichen für diesen Steuererlass gestellt zu haben. Vor allem Innenminister Andreas Breitner habe sich im Kampf gegen sie einspannen lassen.

Im Buch rechnet die Journalistin mit allen in ihren Augen Verantwortlichen ab und gibt Ratschläge, was sich in der Politik verändern muss – so zumindest lässt es der Klappentext vermuten. Im Rathaus munkelt man hingegen, dass sich die ganze Welt hätte ändern müssen, um zu Susanne Gaschke zu passen, in deren Vokabular Selbstkritik nicht vorkomme.

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erstellt am 12.Sep.2014 | 10:23 Uhr

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