„3 nach 9“ : Gaschke beim Ex-Chef

Zu Gast bei der Talk-Show in Bremen: Susanne Gaschke.
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Zu Gast bei der Talk-Show in Bremen: Susanne Gaschke.

Susanne Gaschke hat mit ihrer Wutrede zum Rücktritt viele negative Reaktonen ausgelöst. Dabei will sie doch verstanden werden. Und gemocht. Helfen soll dabei ein Auftritt bei „3 nach 9“.

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02. November 2013, 00:41 Uhr

Man weiß bei Susanne Gaschke in diesen Tagen nicht so recht, warum sie es nicht gut sein lassen kann mit öffentlichen Auftritten. Erst die Wutrede zum Rücktritt, live im Fernsehen übertragen. Dann ein Auftritt im NDR-Magazin Zapp mit ordentlich Medienschelte. Die Reaktionen waren jeweils so nahezu einhellig wie absehbar: Susanne Gaschke ist nicht an „testosterongesteuerten Politik- und Medientypen“ gescheitert, wie sie es formuliert. Susanne Gaschke ist an Susanne Gaschke gescheitert.

Und nun auch noch ein Live-Auftritt in einer TV-Talkshow. Warum tut sie sich das an? Hofft sie auf Verständnis? Glaubt sie, ihre Sicht der Dinge nochmal besser transportieren zu können?

Da sitzt sie nun also, bei 3 nach 9, moderiert von „Zeit“-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo und Tagesschau-Sprecherin Judith Rakers. Bis zu Ihrer Wahl zur Oberbürgermeisterin im vergangenen Jahr war Gaschke Redakeurin bei der „Zeit“.

Di Lorenzo will es Gaschke nicht zu leicht machen. „Ich war bis vor einem Jahr ihr Chef, so eine Art Chef. Besonders viel haben Sie sich nicht sagen lassen.“ Gaschke gefällt das nicht, versucht, in verschwurbelten, nicht endenden Sätzen den „Zeit“-Chef zu relativieren. Der legt aber kurz darauf nach: „Sie sind eine begabte Besserwisserin, das haben Sie eben auch angedeutet. Ich kenne es ja von früher.“

Gut tut ihr Lob vom neuen Tagesthemen-Moderator Thomas Roth: Sie sei in der „Zeit“ eine seiner Lieblingsautoren gewesen, gesteht er, kommt aber auch um Kritik nicht herum: „Ich kann mir ihre Angefasstheit in der Schlusspressekonferenz nur schwer erklären. Sie haben auf mich sehr verbittert gewirkt.“

Gaschke will gemocht werden, saugt Lob wie ein trockener Schwamm Wasser auf, zuckt bei Kritik immer leicht zusammen, selbst wenn sie von der Sängerin Sarah Connor kommt: „Mitleid kann man in solchen Situationen nicht erwarten“, kommentiert die trocken Gaschkes Emotionalität.

Fehler habe sie gemacht, sagt die Ex-Oberbürgermeisterin. Das habe sie schon so oft gesagt, mache es bei Bedarf gerne wieder. Existenzängste habe sie durchlitten. Aber auch Dinge getan, auf die sie stolz sei: „Ich fand es okay von mir, dass ich nicht gleich auf meine Mitarbeiter gezeigt habe. Das machen ja auch manche.“

Gaschke beschließt ihren Auftritt mit einer Andeutung und mit einem Versprechen. Ein Buch über die vergangenen Wochen und Monate werde sie schreiben, lässt sie anklingen, ohne es explizit zu sagen. „Da bin ich mir sicher, irgendjemand wird das schon interessieren.“ Das öffentliche Werben um Sympathie soll also weitergehen.

Und sie habe jetzt verstanden, wie ihre eigene Kritik als Journalistin andere verletzt habe. „Mir tun jetzt ein paar Sachen leid, die ich geschrieben habe. Ich werde ein, zwei Briefe an Menschen schreiben, die ich sehr verletzt habe.“

Eine verletzte Seele nimmt, was sie kriegt. Sie freut sich sichtlich, als Giovanni di Lorenzo ihr ein Porträt von ihr im Stil Roy Lichtensteins schenkt. Im Kieler Rathaus, so der Moderator, werde wegen der kurzen Amtszeit ja kein Bild von ihr aufgehängt.

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