Quarnstedt : Gasanlage lässt Gemeinderat explodieren

'Die schweren Beschuldigungen von Bürgern haben mich zu diesem Schritt bewogen', sagt Adolf Humfeld, Bürgermeister von Quarnstedt. Foto: shz
"Die schweren Beschuldigungen von Bürgern haben mich zu diesem Schritt bewogen", sagt Adolf Humfeld, Bürgermeister von Quarnstedt. Foto: shz

In der 400-Seelen-Gemeinde Quarnstedt (Kreis Steinburg) ist die Gemeindevertretung geschlossen zurückgetreten. Der Grund: Zoff um eine Gasanlage.

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20. Mai 2011, 11:40 Uhr

Quarnstedt | In der Steinburger Gemeinde Quarnstedt ist gestern die neunköpfige Gemeindevertretung geschlossen zurückgetreten. Dieses schwerwiegende und bislang zumindest im Kreis Steinburg einmalige Vorkommnis im rund 400 Einwohner zählenden Dorf ist der vorläufig letzte Höhepunkt im Zwist um den geplanten Neubau einer Gasverdichterstation. Bürgermeister Adolf Humfeldt, seit zwölf Jahren im Amt, begründete den Schritt mit ungerechtfertigten und persönlichen Angriffen der Bürgerinitiative "Pro Lebensqualität", die sich gegen den Neubau wendet.
"Die schweren Beschuldigungen von Bürgern haben mich zu diesem Schritt bewogen", erklärt Humfeldt gegenüber unserer Zeitung. Durch die Vorwürfe und Anfeindungen der Interessengemeinschaft sei seine persönliche Belastungsgrenze überschritten. Laut Humfeldt attackiere ihn "Pro Lebensqualität" mit der Behauptung, er hätte die Grundstückverkäufe für das Neubauvorhaben der Firma Gasunie verhindern können. Sie werfe ihm außerdem vor, seine Gemeindevertreter nicht rechtzeitig und umfassend in Kenntnis gesetzt zu haben und behauptet zudem, die komplette Gemeindevertretung sei vom Unternehmen Gasunie "gekauft".
Beeinträchtigung der Lebensqualitätdurch Explosionsgefahr?
Auslöser des Dorf-Streits ist die Firma Gasunie, die in Quarnstedt eine alte Gasverdichterstation durch eine neue, wesentlich größere ersetzen will. Um Schleswig-Holstein und Dänemark mit Erdgas versorgen zu können, muss die Firma nach eigenen Angaben ihr Erdgas-Transport-Netz erneuern und ausbauen. Da 0,5 Prozent des transportierten Erdgases durch Reibung verbraucht werden, ist es nötig, das Gas zu verdichten, um den nötigen Druck wieder herzustellen.
In der geplanten Anlage, die 2013 in Betrieb gehen soll, sehen die Gegner eine Verschandelung der Landschaft und eine Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität. Auch auf eine mögliche Explosionsgefahr weisen sie hin. Der jetzige Rücktritt sei ein Schritt in die richtige Richtung", sagt Winfried Mende von der Interessengemeinschaft. Man habe nie gegen die Gemeindevertretung gearbeitet, aber den Eindruck gehabt, diese vertrete nicht die Interessen des Dorfes.
Die weitere Vorgehensweise liegt jetzt in Händen der Aufsichtsbehörden. Die Steinburger Kommunalaufsicht hofft zwar noch auf eine Lösung, hat den Fall aber schon einmal vorgeprüft. Erst müssten alle Gemeindevertreter ihren Rücktritt schriftlich erklären, danach könne das Innenministerium die Auflösung veranlassen, sagt Birgit Junge auf Anfrage. Damit die Gemeinde nicht führungslos ist, wird ein Beauftragter eingesetzt. Ist das Auflösungsverfahren abgeschlossen, findet binnen drei Monaten eine Neuwahl nur für die Quarnstedter Bürger statt.
(shz)

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