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Ergebnisse für SH und HH : Ganztagsschulen: So unterschiedlich werden Kinder gefördert

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Immer mehr Schulen bundesweit setzen mittlerweile auf Ganztagsbetrieb - doch die Ausgestaltung unterscheidet sich.

Gütersloh/Kiel | Ganztagsschulen sollen helfen, die Lernchancen für alle Kinder zu verbessern. Doch wo „Ganztag“ draufsteht, ist von Land zu Land etwas anderes drin. Das ergibt eine Studie der Bertelsmann Stiftung, die am Donnerstag vorgestellt wird.

Die Analyse soll erstmals die Lernbedingungen für die bundesweit 1,27 Millionen Schüler in bindenden Ganztagsschulen vergleichbar machen - sie klaffen je nach Bundesland und Schulform auseinander.

Von einem „Flickenteppich Ganztag“ sprechen daher die Autoren der Studie. „Wir haben bundesweit einen Dschungel an unterschiedlichen Bestimmungen zur Verteilung von Ressourcen im Ganztag. Die riesigen Unterschiede legen offen, wie sehr es an gemeinsamen Standards für den Ganztag mangelt“, fasste Dirk Zorn, Bildungsexperte der Bertelsmann-Stiftung, die Erkenntnisse des Reports zusammen. Für gleichwertige Lernchancen müssten die zuständigen Kultusminister der Länder dringend Mindeststandards vereinbaren.

An weiterführenden Schulen sinkt im Durchschnitt die Zusatz-Lernzeit, die riesige Spannbreite je nach Land bleibt: Kommen Ganztagsschüler aus Hessen oder Hamburg auf überdurchschnittliche Werte zwischen 13 und 16,4 Extra-Stunden, so sind für Schüler aus Nordrhein-Westfalen und den ostdeutschen Flächenländern mit Ausnahme Brandenburgs in den höheren Klassen nur rund vier Mehrstunden vorgesehen.

Das sind die Ergebnisse für den Norden:

An Schleswig-Holsteins Grundschulen und Gymnasien mit gebundenem Ganztagsangebot gibt es überdurchschnittlich viele zusätzliche Lernstunden am Nachmittag. Der Studie zufolge beträgt die zusätzliche Lernzeit an Schleswig-Holsteins Grundschulen 16,9 Stunden, an Gymnasien 8,3 Stunden und an anderen weiterführenden Schulen 6,6 Stunden. Zum Vergleich: Durchschnittlich stehen bundesweit an Grundschulen mit gebundenem Ganztagsbetrieb durchschnittlich 13,8 Stunden zusätzliche Lernzeit pro Woche zur Verfügung. An Gymnasien sind es 7,8 Stunden und an anderen weiterführenden Schulen 8,2 Stunden. Dass die zusätzliche Lernzeit in Schleswig-Holstein an Gymnasien höher ausfällt als an anderen Schulen der Sekundarstufe I sei eher untypisch. „In den anderen Ländern ist es eher umgekehrt oder die Werte sind praktisch identisch“, heißt es in der Studie.

Der Bertelsmann-Report moniert auch, dass Lernzeiten und Personalausstattung in vielen Ländern nicht aufeinander abgestimmt seien. So stellten die Länder Hessen und Bremen gerade mal so viel Zusatz-Personal zur Verfügung, dass 22 Prozent der Nachmittags-Extrazeit mit Fachkräften bestückt sind. Nimmt man die Grundschulen aus, stehen auch Sachsen und Thüringen mit ähnlichen Werten schlecht da. Die entstehende Lücke muss den Autoren zufolge mit kommunalen oder privaten Mitteln gefüllt werden - Lehrer besetzten diese Stellen nicht.

Schleswig-Holstein gibt für zusätzliche Lehrer und sonstiges pädagogisches Personal in seinen gebundenen Ganztagsklassen an Grundschulen pro Jahr jährlich 15.800 Euro aus und damit deutlich weniger als im Bundesdurchschnitt (22.700 Euro). An Gymnasien beträgt die Summe im nördlichsten Bundesland 16.500 Euro (Bundesschnitt: 15.400), an den übrigen Schulen der Sekundarstufe I 15.600 Euro (Bundesschnitt: 15.200). In Hamburg konzentrieren sich die Ausgaben für Personal auf die Grundschulen. 23.100 Euro je Klasse im gebundenen Ganztag gibt Hamburg für zusätzliches Personal (bundesweit: 22.700 Euro) aus. Schlechter steht Hamburg der Studie zufolge bei den weiterführenden Schulen da. Das spiegelt sich auch in den Personalausgaben. Während Hamburg 9000 Euro je Klasse und Jahr für die Ganztagsangebote an diesen Gymnasien ausgibt, sind es im Länderdurchschnitt 15.400 Euro.

Ganztagsschulen sollen Schüler eigentlich individuell fördern. „Doch von gleichwertigen Lernchancen in Ganztagsschulen kann in Deutschland keine Rede sein“, teilte die Bertelsmann Stiftung mit.

Zwar hat sich die Zahl der Ganztagsschulen in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Mittlerweile haben sechs von zehn Schulen ein Ganztagesangebot, vor 15 Jahren waren es nur etwa 20 Prozent. „Der quantitative Ausbau war aber nicht an einheitliche Qualitätsstandards gekoppelt“, kritisieren die Bildungsexperten.

Für die Analyse haben sich die Bildungsforscher ausschließlich auf die Form der sogenannten gebundenen Ganztagsschule konzentriert - also Schulen, an denen die Teilnahme am längeren gemeinsamen Lernen für alle Pflicht ist und nicht offenes Angebot.

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erstellt am 28.Apr.2016 | 08:29 Uhr

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