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Vor Landtagswahlen : G8 oder G9? Volksparteien in SH und im Saarland auf Schlingerkurs

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In Schleswig-Holstein will die CDU zurück zum Abitur in neun Jahren – im Saarland die SPD.

Kiel/Saarbrücken | Schleswig-Holstein und das Saarland teilen gerade zwei interessante politische Gemeinsamkeiten: In beiden Ländern wird im Frühling gewählt. Und in beiden Ländern spielt das Abitur im Wahlkampf eine große Rolle. Allerdings zeigt sich bei diesem Thema auch ein ebenso krasser wie kurioser Unterschied zwischen den beiden Ländern: Während in Kiel die CDU mit ihrem Spitzenkandidaten Daniel Günther zurück zum Abi nach neun Jahren will und die SPD um Ministerpräsident Torsten Albig am Abi nach acht Jahren festhält, fordern die Parteien in Saarbrücken jeweils das Umgekehrte: CDU-Regierungschefin Annegret Kramp-Karrenbauer möchte das achtjährige Turbo-Abi („G8“) beibehalten, ihre SPD-Rivalin Anke Rehlinger das langsamere Abi nach neun Jahren („G9“) wieder einführen.

In Schleswig-Holstein ist das G9 zurzeit Standard an den Gemeinschaftsschulen. Fast alle Gymnasien haben G8, elf noch G9 und vier Gymnasien bieten beide Optionen an.

Die Herausforderer Günther und Rehlinger argumentieren dabei nicht nur damit, dass die Schüler in neun Jahren gründlicher ausgebildet werden könnten. Vielmehr verweisen beide auch auf Umfragen in der Bevölkerung: In Schleswig-Holstein hat Günthers CDU die Meinungsforscher von Infratest dimap ermitteln lassen, dass 71 Prozent der Bürger das G-9-Abi an Gymnasien wollen. „Je jünger die Befragten waren, desto größer war die Zustimmung zu G9“, berichtet Günther. Der schleswig-holsteinische Elternverein und die Elterninitiative „G9 jetzt!“ begrüßen den Vorstoß der CDU daher „außerordentlich“.

Im Saarland wünschen sich laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag von „G9 jetzt!“ sogar 75 Prozent der Menschen das Langsam-Abi zurück. „Wir nehmen das ernst“, sagt SPD-Politikerin Rehlinger. Allerdings geht sie nicht ganz so weit wie Günther und will G9 nicht strikt vorschreiben, sondern künftig den einzelnen Gymnasien die Entscheidung über G8 oder G9 überlassen – die meisten Schulen würden dann wohl dem überwiegenden Elternwunsch nach G9 folgen.

Dagegen möchten die Parteien der amtierenden Ministerpräsidenten sowohl im Südwesten als auch im Norden am bestehenden G8 festhalten. Sie argumentieren nahezu wortgleich damit, dass in beiden Ländern ja schon ein Weg zum G-9-Abi existiert – an den Gemeinschaftsschulen. „Wir haben im Saarland mit dem Zwei-Säulen-Modell aus Gymnasien und Gemeinschaftsschulen bereits die Wahlfreiheit zwischen einem acht- und neunjährigen Weg zum Abitur“, sagt die saarländische CDU-Bildungsexpertin Ruth Meyer. Fast genauso formuliert Schleswig-Holsteins SPD-Landeschef Ralf Stegner: „Wir haben eine Wahlfreiheit zwischen G8 an Gymnasien und G9 an den Gemeinschaftsschulen.“ Wenn die CDU das ändern wolle, „kündigt sie den Schulfrieden auf“, kritisiert Stegner. Dass der SPD-Bundesvize seiner Partei dann im Saarland dasselbe vorwerfen müsste, sagt er nicht.

Dass keine der beiden Volksparteien CDU und SPD in den Wahlkämpfen eine klare Linie vertritt und beide sowohl einen Wechsel zum G-9-Abi als auch das Gegenteil fordern, zeigt letztlich vor allem eines: Die Schulen sind für die Wahlkämpfer ein zu attraktives Thema, um hier auf eine eigene Profilierung verzichten zu wollen. Was an den Schulen passiert, betrifft und beschäftigt sehr viele Bürger – daher eignen sich Vorstöße auf diesem Gebiet besonders, um Akzente zu setzen und Wähler zu mobilisieren. Und weil die Bildungspolitik zudem das einzige politische Gestaltungsfeld ist, in dem die Länder ohne Einfluss vom Bund schalten und walten dürfen, können die Herausforderer ihre Versprechungen im Falle eines Sieges sogar wahrmachen.

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erstellt am 06.Feb.2017 | 20:14 Uhr

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