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Landtagswahl 2017 in SH : G8 oder G9? Die Debatte geht wieder von vorne los

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Die CDU will im Falle eines Wahlsiegs wieder zurück zum G9-Abitur. Die SPD sieht den Schulfrieden in Gefahr.

Kiel | Die schleswig-holsteinische CDU will im Fall eines Wahlsiegs bei der Landtagswahl das Abitur nach neun Jahren wieder verbindlich an Gymnasien einführen. Die Argumente, mit denen sich auch die Union vor Jahren für das G-8 Abitur einsetzte, seien heute nicht mehr aktuell, begründete der CDU-Landesvorsitzende und designierte Spitzenkandidat, Daniel Günther, am Donnerstag in Kiel die schulpolitische Wende.

In Schleswig-Holstein ist das G9 zurzeit Standard an den Gemeinschaftsschulen. Fast alle Gymnasien haben G8, elf noch G9 und vier Gymnasien bieten beide Optionen an.

Als Aufkündigung des Schulfriedens und unnötige Strukturdebatte lehnte SPD und Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) den Vorstoß ab. Auch die FDP, Wunschpartner der CDU im Falle eines Wahlsieges, ging auf Distanz. Dagegen begrüßte der Philologenverband die CDU-Pläne als „eine überfällige Korrektur zum Wohle“ der Schüler.

Die Wehrpflicht sei entfallen und der sogenannte Bologna-Prozess habe zu kürzeren Studienzeiten geführt, sagte Günther. Daher dauere es in Deutschland im europäischen Vergleich nicht mehr zu lange, bis junge Menschen ins Berufsleben starteten. Im Vordergrund müsse jetzt stehen, die Gymnasiasten mit einer längeren Gymnasialzeit wieder fit für die Uni zu machen, sagte Günther. Derzeit gebe es hier große Defizite: „Es kann nicht sein, dass Abiturienten nach acht Jahren Schulzeit Eingangskurse an den Universitäten machen, um dort Rechnen, Schreiben und Lesen zu lernen.“

Die schulpolitische Wende der CDU sieht außerdem die Wiedereinführung von Schulartempfehlungen vor. Diese sollen aber nicht verbindlich sein, sondern den Eltern jede Freiheit lassen, erläuterte ein CDU-Sprecher auf Nachfrage. Unter der jetzigen Regierung von SPD, Grünen und SSW wurde die Schulartempfehlung durch ein obligatorisches Elterngespräch über den Leistungsstand ihres Kindes ersetzt.

Das gemeinsame Lernen von Kindern ohne und mit Behinderung an den Schulen hat sich nach Auffassung der CDU nicht überall bewährt. Lehrer und Kinder seien in manchen Fällen überfordert. Daher sollten wieder mehr Kinder mit Behinderungen in Förderzentren unterrichtet werden, wo sie mit Fachpersonal bessere Chancen hätten, sagte Günter.„Wenn dadurch die Inklusionsquote insgesamt sinkt, halte ich dies für hinnehmbar“, sagte Günther.

Auch bei der Lehrerausbildung will die CDU zurück zur früheren Gymnasiallehrer-Ausbildung. So soll an der Universität Kiel wieder eine reine Gymnasiallehrer-Ausbildung eingeführt werden. Dort ist geplant, im Wintersemester 2017/18 die Ausbildung auf schulartübergeifende Stufenlehrer umzustellen (Sekundar- I und Sekundarstufe II).

Was ist besser: G8 oder G9?

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Weitere Reaktionen:

„Die CDU kündigt den Schulfrieden auf“, kritisierte SPD-Fraktionschef Ralf Stegner. „Jetzt beginnt wieder eine Debatte um das Schulsystem - nicht im Dialog mit der Basis, sondern auf Ansage von oben - der Oppositionsführer orientiert sich offenbar an dem Führungsstil von Donald Trump.“

FDP-Landtagsfraktionschef Wolfgang Kubicki betonte: „Wir bleiben dabei, dass wir es Eltern, Schülern und Lehrern überlassen wollen, welches Modell sie an ihren Gymnasien - G8, G9 oder G-Y - für das richtige halten.“

Bildungsministerin Ernst äußerte Unverständnis: „Die Schulen in Schleswig-Holstein brauchen keine neue Strukturdebatte.“ Priorität habe die Unterrichtsversorgung und die Gewinnung guter Lehrkräfte für alle Regionen des Landes. Die Qualität des Unterrichts sei gestiegen. Die aktuelle IQB-Schulleistungsstudie bescheinige den Schülern im Norden „teilweise Spitzenergebnisse im Ländervergleich“.

Anke Erdmann (Grüne) hielt der CDU in der Bildungspolitik einen Schlingerkurs vor. „Offenbar geht es der CDU gar nicht um Inhalte, sondern sie sucht krampfhaft nach einem Wahlkampf-Thema.“

Uli Schippels, Spitzenkandidat der Linken erklärte: „Die schleswig-holsteinische Linke hat schon immer die Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur abgelehnt. Die Nachteile von G8 überwiegen. Mit G8 gibt es keine Zeit mehr für gesellschaftspolitisches Engagement, keine Zeit für Vereinssport, keine Zeit mehr für wichtige außerschulische Aktivitäten. Mehr Stress und schlechtere Lernerfolge sind ist das einzige Ergebnis von G8. Auch wenn es jetzt überrascht, dass die CDU Einsicht zeigt, freuen wir uns über die Unterstützung. Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung. Der zweite  Schritt wäre jetzt, Gymnasien in Gemeinschaftsschulen umzuwandeln, wie es die Linke fordert.

Lars Harms vom SSW ruft die Wähler dazu auf, den Schulfrieden an der Wahlurne zu verteidigen: „In der christdemokratischen Bildungspolitik ist traditionell nur auf eines Verlass: Dass man sich auf nichts verlassen kann. Folgerichtig bläst die CDU wieder einmal zum Angriff auf den Schulfrieden.“ Die Wahlfreiheit zwischen G8 an Gymnasien und G9 an Gemeinschaftsschulen habe sich bewährt und müsse erhalten bleiben. „Neue Strukturreformen sind das letzte, was unsere Schulen jetzt brauchen. “

Unverständnis herrscht bei der Bildungsgewerkschaft GEW über die CDU-Pläne. Die Landesvorsitzende Astrid Henke sagte: „G8/G9 ist zurzeit an den Schulen kein Thema. Die meisten Gymnasien haben sich mit G8 arrangiert. Da würde eine Rückkehr zu G9 an den Schulen nur unnötige Unruhe bringen. Wir können doch nicht von Wahlperiode zu Wahlperiode das Bildungssystem in elementaren Punkten grundlegend umkrempeln. Wichtiger als ein Wechsel von G8 zu G9 sind bessere Arbeitsbedingungen für die Lehrkräfte und bessere Lernbedingungen für Schülerinnen und Schüler. “ Wünschenswert sei aus ihrer Sicht perspektivisch eine flexiblere Gestaltung der Oberstufe statt der verkürzten Schulzeit in der Mittelstufe.

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erstellt am 03.Feb.2017 | 10:11 Uhr

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