Kommentar zur überforderten Ministerin : Friesenhof-Debatte: Alheit muss Aufgaben abgeben

Kristin Alheit räumte ein, es habe viel zu lange gedauert, bis der „Friesenhof“ geschlossen wurde.
Kristin Alheit räumte ein, es habe viel zu lange gedauert, bis der „Friesenhof“ geschlossen wurde.

Die Ministerin kann ihren Kopf nur noch retten, indem sie zumindest einen ihrer vielen Hüte freiwillig absetzt. Ein Kommentar von Margret Kiosz.

Margret Kiosz von
17. Juni 2015, 20:42 Uhr

Kein Zweifel: Es ist eine pädagogische Gratwanderung, drogenabhängige 12-Jährige, die lieber zu ihrem Freier als zur Schule wollen, wieder auf den rechten Weg zu bringen. Gut zureden allein reicht dabei sicherlich nicht. Doch erlaubt ist auf diesem Weg nicht alles. Auch in solch schwierigen Fällen sind Menschenrechte zu wahren – zumal es sich um minderjährige Schutzbefohlene und nicht um verurteilte Straftäter handelt.

So ist Freiheitsberaubung in geschlossenen Heimen nur mit richterlicher Anordnung möglich. Die lag im Fall Friesenhof nicht vor, trotzdem waren Türen und Fenster abgeschlossen.

Das Landesjugendamt in Kiel hat nicht nur seine Aufsichtspflicht verletzt, sondern ist den Mädchen, die zu Recht Schutz erwarten durften, mit einer juristisch höchst fragwürdigen Vereinbarung zwischen Amt und Heimleitung in den Rücken gefallen. Sie hat wider besseres Wissen Erziehungsmethoden abgesegnet, die heute nicht mehr toleriert werden. Die Leitung des Landesjugendamtes gehört deshalb sofort in die Wüste geschickt.

Es mutet geradezu schizophren an, wenn Politiker einerseits über Unrecht in der Heimerziehung in den 70er Jahren debattieren und Opfern finanzielle Entschädigung gewähren, andererseits aber zulassen, dass unter ihren Augen heute Jugendlichen ähnliches Leid zugefügt wird.

Insofern muss sich auch Ministerin Alheit fragen, ob sie noch auf dem richtigen Stuhl sitzt. Wenn sie tatsächlich von Mitarbeitern nicht über so schwerwiegende Vorgänge wie in Dithmarschen informiert worden sein sollte, lässt das tief blicken. Offenbar mangelt es an Vertrauen, Personalführung und der nötigen Organisationsstruktur.

Alheit kann ihren Kopf nur noch retten, indem sie zumindest einen ihrer vielen Hüte freiwillig absetzt. Als Albigs Superministerin für Soziales, Gesundheit und neuerdings auch noch für die Wissenschaft ist sie überfordert.

Selbst für Supermänner wäre diese Aufgabenvielfalt zu groß. Das zuzugeben ist doch keine Schande!

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