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Wendes Reform : Fortgesetzter Unfug bei der Lehrerausbildung

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Seit acht Jahren gibt es keine durchgängigen Haupt- und Realschulen mehr in Schleswig-Holstein - Lehrer für diese Schularten aber schon. Waltraud Wendes Novelle zur Lehrerausbildung ist nicht zu Ende gedacht. Ein Kommentar von Peter Höver.

shz.de von
erstellt am 01.Apr.2014 | 13:33 Uhr

Viel zu spät ordnet Schleswig-Holstein die Lehrerausbildung neu. Man muss sich den fortgesetzten Unfug klar machen. Seit fast acht Jahren gibt es keine durchgängigen Haupt- und Realschulen mehr. Lehrkräfte für diese Schularten werden noch immer durch die Hochschulen geschleust. Damit soll Schluss sein.

Die Richtung, die Bildungsministerin Waltraud Wende mit ihrer Reform einschlägt, sie stimmt. In den Details ist die Novelle jedoch nicht zu Ende gedacht. Da gibt es also demnächst die Einheitsausbildung für Lehrkräfte an Gymnasien und Gemeinschaftsschulen. Dass Gymnasien in acht, Gemeinschaftsschulen aber in neun Jahren zum Abitur führen, blendet Wende aus. Will die Ministerin den Verdacht der Opposition widerlegen, die Gymnasien (auch) mit dem Instrument der Lehrerbildung abwickeln zu wollen, wird sie hier nachbessern müssen.

Weit fragwürdiger noch ist der von CDU und FDP zu recht kritisierte Aufbau teurer Doppelstrukturen für die Lehrkräfteausbildung an der Uni Flensburg. Mag Wende es auch hartnäckig leugnen: Verlierer werden die (voll ausgestattete) Uni in Kiel und der Steuerzahler sein, der dafür Millionen wird aufbringen müssen. Dass Schleswig-Holsteins Hochschulen insgesamt unterfinanziert sind, ignoriert die Ministerin. Hier wird mit dem Instrument der Hochschulpolitik erneut Regionalpolitik betrieben. Flensburg wird’s freuen.

Studierende hat die Regierung erst gar nicht mit auf die Rechnung genommen. Wenn das Praxissemester obligatorisch ist, werden Heerscharen junger Menschen von ihren Hochschulstandorten täglich zu ihren Ausbildungsschulen pilgern müssen. Das kostet eine Menge Geld, das Studierende nicht haben. Die Attraktivität eines Studiums für den Lehrerberuf steigert Wende so gewiss nicht.

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