Überlange Lastwagen : Forderung nach freier Fahrt für Gigaliner – SH droht Regierungsstreit

Verkehrsminister Meyer signalisiert Zustimmung für die überlangen Lkw in Schleswig-Holstein. Es gibt aber auch Gegner.

shz.de von
24. Januar 2015, 09:12 Uhr

Berlin/Kiel | Ein Vorstoß von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt für eine generelle bundesweite Zulassung von überlangen Lastwagen droht in der Kieler Küstenampel einen neuen Koalitionsstreit auszulösen. Schleswig-Holsteins sozialdemokratischer Verkehrsminister Reinhard Meyer forderte am Freitag, „dass die Landesregierung ihre bislang ablehnende Haltung überdenkt“, sofern der derzeit laufende Feldversuch mit den gut 25 Meter langen Lkw erfolgreich sein sollte.

Hingegen will der grüne Landtagsverkehrsexperte Andreas Tietze „keinen Persilschein für den Gigaliner im gesamten Fernstraßennetz“ und verkündete: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass unsere Regierung im Bundesrat einer solchen Regelung zustimmt.“

Noch bis 2016 läuft der Feldversuch mit den Gigalinern. Doch schon jetzt hat CSU-Politiker Dobrindt in einem Interview angekündigt, dass er bundesweit, ja sogar europaweit freie Fahrt für die Riesenlaster will: „Ich möchte, dass der Lang-Lkw in den Regelbetrieb geht“, sagte Dobrindt. „Wir sollten ihn auf den zentralen Achsen in Punkt-zu-Punkt-Verkehren auch durch ganz Europa fahren lassen.“

Bisher sind in Deutschland nur einige Strecken in neun Ländern für den Feldversuch freigegeben, darunter Schleswig-Holstein. Die schwarz-gelbe Kieler Vorgängerregierung hatte dem noch zugestimmt. Grenzüberschreitender Verkehr ist in Europa ganz verboten.

Dobrindt sieht sich in seinen Plänen zur bundesweiten Zulassung der Riesenlaster durch einen kürzlich veröffentlichten Zwischenbericht zum Feldversuch bestärkt. Darin waren die Experten von Dobrindts Bundesanstalt für Straßenwesen zu der Erkenntnis gekommen, dass die langen Lkw „sicher und unauffällig“ im Verkehr mitrollen. Zudem würden die Gigaliner Transportkosten senken, weil zwei von ihnen drei reguläre Lkw ersetzen könnten. „Das spart bis zu 25 Prozent Sprit“, freute sich Dobrindt.

Allerdings hatte der Bericht auch darauf hingewiesen, dass für Gigaliner teure Umbauten im Straßennetz nötig würden, weil Parkplätze an Autobahnen oder Nothaltebuchten in Tunneln zu klein für die langen Lkw seien. Nicht zuletzt deshalb beharrt der Grüne Tietze auf der im Kieler Koalitionsvertrag vereinbarten Ablehnung der Gigaliner: „Mit diesen Monstertrucks kommt es nicht nur in Nothaltebuchten, sondern auch auf Kreuzungen und vor allem in Kreisverkehren regelmäßig zu Problemen“, kritisierte er. Damit riskiere Dobrindt „gerade innerstädtisch eine Verschlechterung der Verkehrssicherheit“.

Für den Fall einer europaweiten Zulassung befürchtet Tietzes Wedeler Parteifreundin Valerie Wilms zudem für den Norden besondere Nachteile: „Gerade in Schleswig-Holstein ist dann mit einer erheblichen Ausweitung des Gigaliner-Verkehrs zu rechnen – denn in Skandinavien sind solche Monster-Trucks weit verbreitet“, warnt die Bundestagsabgeordnete Wilms. Angesichts der neuen Dauerbaustelle auf der A7 und den immer wiederkehrenden Flickarbeiten auf der A1 würden dann „die Unfallrisiken für die anderen Verkehrsteilnehmer steigen“.

Landesminister Meyer bleibt dagegen gelassen. „Wir sollten jetzt das Ende des Feldversuchs abwarten“, sagte er. Selbst für die bröckelnde Rader Hochbrücke auf der A7 drohe bei einer Zunahme des Gigaliner-Verkehrs keine zusätzliche Gefahr: Da die Riesen-Lkw zwar 6,50 Meter länger als herkömmliche Lastzüge sind, aber mit maximal 44 Tonnen nicht schwerer, „sehen wir keine Nachteile für Brückenbauwerke“.

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